Hartmut Spieker: Polen auf Kurs West. Persönliche Begegnungen

Hartmut Spieker: Polen auf Kurs West. Persönliche Begegnungen

Mit dem vorliegenden Buch möchte uns der Autor auf eine zeitgeschichtliche und sicherheitspolitische Reise in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts mitnehmen. Er beschreibt darin kleine und große Ereignisse aus seiner Zeit als Verteidigungsattaché von 1994 bis 1998 in Polen. Zu dieser Zeit war die Bundesrepublik Deutschland schon im vierten Jahr ihrer Wiedervereinigung, die Sowjetunion implodiert und viele ehemalige Staaten des Warschauer Paktes befanden sich auf dem Weg in eine hoffentlich bessere Zukunft in einem freien Europa. Kein Politiker besaß damals eine Blaupause für dieses sich verändernde Europa. Das Verteidigungsbündnis NATO hatte den großen Feind verloren, suchte nach neuen, zukunftsträchtigen Aufgaben. Die USA hatten in einer Koalition der Willigen den kriegserfahrenen Irak mit moderner Technologie und Operationsführung überrannt und träumten von einem neuen, westlich geprägten Zeitalter. Die KSZE hatte mit der Charta von Paris 1990 unter anderem auch die Unverletzlichkeit staatlicher Grenzen sowie das Recht auf freie Bündniswahl festgeschrieben.

Der damalige deutsche Verteidigungsminister Volker Rühe hatte in 1993 öffentlich begonnen, für eine Aufnahme ehemaliger Warschauer Pakt Staaten in die NATO zu werben. Er stieß hierbei aber auf deutlichen Widerstand in der NATO, vor allem der USA. Genau in diese Zeit des Umbruchs fiel der Dienstantritt des Autors als Marineoffizier und Verteidigungsattaché in Warschau. Glückliche Fügung war für ihn der deutsche Botschafter in Polen, Johannes Bauch, der die zupackende Art seines obersten Militärs in der Botschaft sehr schätzte und diesen in den Folgejahren immer wieder unterstützte. Glückliche Fügung war aber auch das Dreigespann im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn mit Minister Rühe, Staatssekretär Schönbohm und Generalinspekteur Neumann, die eine neue Scharnierfunktion Polens von Beginn an unterstützten und selber vorantrieben.

In über 80 kleinen Essays beschreibt Spieker die schnell wachsende vertrauensvolle Zusammenarbeit von deutschen und polnischen Politikern, Wissenschaftlern, Vertretern des öffentlichen Lebens und Militärs. Es würde zu weit führen, auf jede dieser kleinen und großen Begebenheiten einzugehen. Vielleicht kann man dies festhalten:

– In seiner Zeit als Verteidigungsattaché wird aus einem vagen Bekenntnis zur Erweiterung der NATO ein fester Beschluss zur Aufnahme in 1999;

– Aus dem Gedanken eines tri-nationalen militärischen Korps wird in vier Jahren das deutsch-dänische-polnische Korps mit Sitz in Stettin;

– Zur 1000 Jahrfeier der Stadt Danzig lädt der damalige Präsident Polens Alexander Kwasniewski den deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog ein;

– In Warschau wird ein eigenständiger Soldatenfriedhof für deutsche Gefallene des Zweiten Weltkriegs eingeweiht;

– Deutschland und insbesondere deutsche Soldaten helfen beim Oderhochwasser.

Diese großen Schritte der Verständigung wären allerdings kaum ohne die vielen kleinen Schritte der Verständigung über Besuche, Einladungen, Konzerte, Schüler- und Soldatenaustausch, Schiffsbesuche, gemeinsame Militärmanöver, Ausbildung im jeweils anderen Land etc. möglich geworden.

Angesichts der heutigen Situation in Polen schreibt Volker Rühe in seinem Vorwort zu diesem Buch: „Mit viel Herz und Sachverstand beschreibt er die Zeit des Aufbruchs Polens in Richtung Westen, eine großartige Zeit der deutsch-polnischen Beziehungen!

Seine Erinnerungen zeigen, dass es ein Glücksfall war, zu dieser Zeit Kapitän Spieker im Team mit seiner Frau in Warschau zu haben. Das Buch vermittelt Vertrauen, dass trotz mancher Irritationen auch das Polen von morgen diesen Kurs erfolgreich steuern wird!“

Oder aus dem Grußwort von Dr. Andrzej Karkoszka, damaliger Staatssekretär und 1. Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung der Republik Polen:“….Es ist schade, dass jetzt, zur Zeit „des guten Wandels“ in unserem Lande, wir diese historische Schlüsselrolle Deutschlands oft vergessen.“

Es ist gut, dass sich Hartmut Spieker als Zeitzeuge aufgemacht hat, uns alle an diese Jahre des Umbruchs und des Aufbaus von Neuem zu erinnern. Mögen viele die Lektüre zum Anlass nehmen, Mut zu fassen und selber Veränderungen im kleinen wie im großen herbeizuführen.

Heinz Dieter Jopp   

Barmstedt, im Februar 2021

 

Verlag: TWETYSIX, Norderstedt – ISBN: 978.374.077.1751

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, in gebundener Form wie auch als E-Book. Es kann auch direkt beim Verlag bestellt werden und natürlich auch im Internet ( https://www.twentysix.de/shop/catalogsearch/result/?q=Hartmut+Spieker

 

Veröffentlicht unter:
Von: Heinz Dieter Jopp

Heinz Dieter Jopp

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Google Docs zu laden.

Inhalt laden

Download (PDF, 148KB)

Hinterlassen Sie einen Kommentar





  • Newsletter abonnieren

    Immer die aktuellsten Nachrichten automatisch in Ihrem E-Mail-Postfach!

    Mit Absenden der Anmeldung akzeptiere ich die Datenschutzvereinbarung.
  • Kommende Veranstaltungen

    1. Im Dialog mit Militärattachés

      3. Mai
    2. Wirkung und Schutz

      14. Juni bis 15. Juni
    3. Kooperation von Streitkräften und Wirtschaft

      22. Juni