China as a Twenty First Century Naval Power. Theory, Practice, and Implications

Das soeben im U.S. Naval Institute erschienene Buch von Michael A. McDevitt hebt sich von Beginn an wohltuend von der Flut amerikanischer Veröffentlichungen zum Aufwuchs der chinesischen Volksmarine ab. Der ehemalige Konteradmiral der U.S. Navy will sehr bewusst Chinas Aufstieg zu einer Seemacht des 21. Jahrhunderts aus der Sicht eines Landes beschreiben, das über Jahrhunderte als das Zentrum der Welt galt, von westlichen Staaten von See her besetzt und über hundert Jahre erniedrigt wurde, um dann Ende des 20ten Jahrhunderts sich wirtschaftlich zu öffnen und zur heutigen Werkbank der Welt zu werden. Keine Übertreibungen sondern sachliche Analysen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Auch die enthaltenen Übersichtskarten und Tabellen chinesischer Marine Neubauten vermeiden eine Beeinflussung des Lesers, überlassen diesem eigene Schlussfolgerungen.

In acht Kapiteln werden die Gründe für eine Ausdehnung chinesischer Interessen auf die Ozeane und die Seeverbindungen, eine damit einhergehende Lernphase für Operationen fern eigener Küsten und Häfen, der Übergang von einer Küstenschutzmarine zu einer Hochseemarine (Blue Water Navy), notwendige maritime Operationen im eigenen Küstenvorfeld (Area Denial), Operationen zur Abhaltung der U.S. Navy von diesen Seegebieten (Anti-Access and the Taiwan Campaign), die spezifischen Operationen im Südchinesischen Meer und die wachsende Präsenz der chinesischen Volksmarine (PLAN) im Indischen Ozean detailliert analysiert und bewertet. McDevitt schließt mit einem Kapitel zur heutigen Bedeutung maritimer Macht und dem möglichen Erfüllungsgrad der PLAN, die sich gerade unter Präsident Xi Jinping vor stetig anwachsenden Zielvorstellungen und deren Zielerreichung sieht. Angesichts der derzeitigen Produktionsraten chinesischer Werften, die rund um die Uhr arbeiten, fragt sich McDevitt, wie groß die PLAN bis zum Jahre 2035 werden könnte. Dazu gehört auch ein Versuch von Antwort auf die mögliche Anzahl chinesischer Flugzeugträger, deren Operationsgebiete, technologischer Fortentwicklung Trägergestützter Kampfflugzeuge, Ausbildung und taktisches wie operatives Einsatzverhalten von Schiffen und deren Besatzungen und eine logistische Unterstützung von Trägerverbänden weit entfernt von China.

Der Autor verweist immer wieder auf den bekannten Umstand, dass die chinesischen Streitkräfte – und damit auch die Marine – der Kommunistischen Partei Chinas und deren Vorsitzenden unterstehen. Die Vernetzung maritimer Kräfte werden überdeutlich in den Analysen von Ryan D. Martinson in einem ersten Anhang zur chinesischen Küstenwache wie auch einer Analyse von Andrew S. Erickson und Connor M. Kennedy der chinesischen maritimen Miliz als einem bedeutenden Kampfkraftverstärker.

Zusammenfassend lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass dem Autor ein Grundlagenwerk zu chinesischen maritimen Ambitionen und deren schrittweiser Realisierung über die letzten Dekaden gelungen ist. Die Schiffe dürften nun vergleichbar westliche Standards in Ausstattung und Ausrüstung erreicht haben. Über den Stand der Leistungsfähigkeit der Besatzungen kann weiterhin nur spekuliert werden. Manöverbeobachtungen wie auch Aufklärung taktischer wie operativer Kommunikationsnetze werden somit zu einem dringenden Erfordernis gerade auch westlicher Marinen.

Dieses Buch sollte umgehend von Marineoffizieren, Wissenschaftlern, politischen Denkern und Entscheidern auch in Deutschland gelesen werden, um dringend notwendige Entscheidungen auf vernünftigen Grundlagen treffen zu können.

Heinz Dieter Jopp Barmstedt, im Oktober 2020

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Von: Heinz Dieter Jopp

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