Peter J. Marsh: Liberty Factory. The untold story of Henry Kaiser´s Oregon shipyards

First published in Great Britain in 2021 by Seaforth Publishing, offered by Naval Institute Press, January 2021, 256 p., 100 b/w illustrations, $ 59,95

Gerade weil auch bei uns die Erinnerung an die Schlacht im Atlantik im Zweiten Weltkrieg eher mit der Dechiffrierung der deutschen Verschlüsselungsmaschine ENIGMA und der dadurch wirkungsvolleren Versenkung deutscher U-boote verbunden ist, erscheint die Lektüre dieses soeben veröffentlichen Buches mit der Geschichte der Massenproduktion von Handelsschiffen äußerst hilfreich. Es beschreibt reich bebildert die Fertigung von Handelsschiffen vom britischen Typ Liberty und später Victory, die die Verlustraten von Handelsschiffstonnage im Atlantik mehr als ausgleichen konnten und somit die notwendige Versorgung Großbritanniens und der Sowjetunion mit lebenswichtigen Gütern und militärischem Material aus den Vereinigten Staaten sicherte. Die Offenhaltung dieser Lebenslinie war die Voraussetzung für spätere Landungsunternehmen im Mittelmeer und in der Normandie.

Ein entscheidender Unternehmer zum schnellen Bau von Handelsschiffen und Kriegsschiffen wurde Henry Kaiser. Auf seinen Werften in Portland im US Staat Oregon entstanden mehr als 450 Liberty und nachfolgend Victory Schiffe. Eines wurde dabei in Rekordzeit von 10(!) Tagen gebaut. Dazu kamen 150 Tanker, mehr als 50 Begleitträger und ungezählte Schiffe für amphibische Operationen. Wer war dieser Mann und was befähigte ihn zu diesen erstaunlichen Leistungen?

Peter Marsh erzählt dessen Geschichte auf der Grundlage eines 1996 geerbten Archivs von Zeitungsberichten und Photos der örtlichen Zeitung The Oregonian und dessen langjährigen Marine Herausgeber Larry Barber. Vor unseren Augen entsteht das Bild eines Visionärs, der nicht im Schiffbau aufgewachsen war, aber Methoden der Fließbandfertigung des Automobilbaus auf seine Werften übertrug. Seine vier Werften in Richmond fertigten bis Kriegsende 747 Schiffe von insgesamt 1490 Schiffen. Der Rest wurde in Portland gebaut. Kaiser baute 27 Prozent der insgesamt in den USA gebauten 5777 Handelsschiffe. Ermöglicht wurde dies durch die Anwerbung und den Einsatz von etwa 100.000 männlichen und weiblichen Werftarbeitern, für die Kaiser auch eine eigene Kleinstadt mit Wohnungen, Schulen, Krankenhäusern und Einkaufsmöglichkeiten errichten lies. Vanport City wuchs bis 1948 auf 42.000 Einwohner auf. 1000 Frauen konnten bei Kaiser nicht nur wie die Männer arbeiten sondern hatten mit dem Bau eines Kindergartens mit einer 24 Stundenbetreuung auch die Gewissheit, dass ihre Kinder während eigener Schichtarbeit gut betreut wurden.

Diese Leistungen sind nach Kriegsende schnell in Vergessenheit geraten. Nur im 600 Meilen von Portland entfernten San Francisco erinnern wenige liebevoll gepflegte Liberty Schiffe an die Zeit der erfolgreichen Kriegsproduktion. Unternehmerische Weitsicht, Technologie Affinität und soziale Unterstützung sind eigentlich die Zauberworte für Kaisers Leistung. Diese auch bildlich in die Erinnerung zurückzuholen ist die Leistung von Peter Marsh.

Heinz Dieter Jopp Barmstedt, im März 2021

Autor des Buches: Marine 2000
Mitautor des Buches:  Piraterie und maritimer Terrorismus
Herausgeber des Buches: Maritime Sicherheit im 21. Jhdt
Adresse: Buchentwiete 17, 25355 Barmstedt
TEL. 04123-92 22 691
Mobil: 0151-15 61 29 51
Veröffentlicht unter:
Von: Ottmar Becher

Ottmar Becher

Geschäftsführer DMKN GmbH

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