Craig H. Allen SR: and Craig H. Allen JR.: Farwell´s Rules of the Nautical Road

Ninth Edition, Naval Institute Press, November 2020, 560 p.

Im November 2020 veröffentlichte das U.S. Naval Institute die nunmehr neunte Auflage von Farwell´s Rules of the Nautical Road. Während im deutschsprachigen Raum die „Internationalen Regeln von 1972 zur Verhütung von Zusammenstößen auf See“, in Kurzform „Kollisionsverhütungsregeln (KVR)“ mit ihrer Ergänzung der deutschen Seeschifffahrtsstraßen Ordnung veröffentlicht und seit Jahren nur geringfügig an neue weltweite Entwicklungen angepasst wurden, bemühen sich beide Autoren, Ersterer lehrt Recht an der Washington Universität – Letzterer ist Kommandant eines Coast Guard Cutters, aktuelle Entwicklungen wie Zunahme von Schiffskollisionen, unbemannte Schiffe, schnellere Schiffe, aber auch steigende Belastungen von Schiffsbesatzungen in ihre Bewertungen bestehender Rechtsverordnungen im internationalen Seeverkehr wie auch innerhalb US amerikanischer Gewässer mit einfließen zu lassen.

Seit 1972 gelten die von von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) verabschiedeten Regeln mit ihrem Originaltitel „Convention on the international regulations for preventing collisions at sea“ (COLREGs). Die Autoren haben sich nun mit der neunten Auflage bemüht, die Veränderungen seit 1972 über Fallbeispiele zu untersuchen und zu bewerten. Hierzu gehören unter anderem die 2017 erfolgten Kollisionen der beiden Zerstörer der U.S. Navy USS John S. McCain und USS Fitzgerald aber auch zahlreiche Kollisionen von Handelsschiffen, die sich unter anderem mittelbar in der Bilanz 2018 des Großversicherers Allianz mit einem Drittel der geleisteten Versicherungssummen niederschlug. Mangelhafte Ausbildung von Brückenpersonal, Fehlinterpretation von Lagebildern, Glaube an die Unfehlbarkeit technischer Ausrüstung, Überlastung und Übermüdung von Personal, immer schnellere Schiffe und Boote, Reduzierung von Besatzungen sind einige der Stichpunkte. Auch stellen sie die Frage, ob durch Automatisierung die Kollisionsgefahr verringert werden kann.

In ihrem Buch schlagen die Autoren den großen Bogen von der Entstehung der nautischen Regeln, dem Kollisionsrecht in den USA, Regeln guter Seemannschaft, bis hin zu Verantwortlichkeiten in engen Gewässern, bei schlechter Sicht und Begegnungsmanövern von Schiffen. Auch für deutschsprachige Leser und Nutzer interessant sind sechs Anhänge, die sich mit der Kommunikation von Brücke zu Brücke, der Interpretation der COLREGs national wie international und ausgewählten Beispielen von Navigationssicherheit und Brückenwache beschäftigen. Während es in Deutschland üblich ist, Gesetzestexte abzudrucken und diese juristisch zu kommentieren, werden bekanntlich im angelsächsischen Sprachraum Einzelfallentscheidungen von Seegerichten und Havariebehörden zur Grundlage künftiger Verfahren genommen. Sie sind damit gute Lehrbeispiele für Nautiker, Brückenbesatzungen und Kapitäne. Mit diesem Buch auf der Brücke lassen sich Besatzungsmitglieder an der weltweiten Realität aus- und fortbilden. Es kann daher für deutsche Handelsschiffe ebenso empfohlen werden wie für Schiffseigner kleinerer, aber Hochsee fähiger Boote oder auch für Schiffe und Boote der Deutschen Marine und der Küstenwache.

Abgerundet wird das Buch von über dreißig Seiten mit Hinweisen auf einzelne Unglücksfälle (Index of Cases) sowie ein Schlagwörterverzeichnis. Letzteres somit eine Fundgrube für Juristen und Versicherungsmanager.

 

Heinz Dieter Jopp Barmstedt, im Januar 2021

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Von: Heinz Dieter Jopp

Heinz Dieter Jopp

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