IMB-Report: Seepirateriezahlen 2014

Pressemitteilung

Starker Anstieg von Schiffsentführungen in Südostasien – trotz weltweiten Rückgangs der Piraterie 

London/Kuala Lumpur/Berlin, 14. Januar 2015 – Angriffe auf kleinere Tankschiffe vor den Küsten Südostasiens führten zu einer Zunahme der weltweiten Entführungen auf 21 Schiffe im Jahr 2014, im Jahr 2013 waren es lediglich zwölf Entführungen gewesen – obwohl die Zahl der Piraterieangriffe insgesamt auf den tiefsten Stand seit acht Jahren fiel. Dies sind die Ergebnisse des Jahresberichtes des Internationalen Schifffahrtbüros (IMB), einer Organisationseinheit der Internationalen Handelskammer (ICC), zu den aktuellen Pirateriezahlen für 2014. Piraten nahmen weltweit 442 Seeleute als Geisel, 2013 waren es noch 304 Besatzungsmitglieder gewesen.  

Der IMB-Bericht dokumentiert für 2014 weltweit 245 Piratenangriffe – ein Rückgang um 44 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011, als die Piraterie vor Somalia ihren Höhepunkt erreichte. 2014 gab es dort lediglich elf Angriffe, die jedoch erfolgreich abgewehrt wurden. Gleichwohl empfiehlt das IMB weiterhin die Befolgung der Best Management Practices (BMP3), da die Gefahr der somalischen Piraten nicht beseitigt sei.

Weltweit wurden 21 Schiffe im vergangenen Jahr entführt, 183 geentert und 13 Schiffe beschossen. Dabei kamen vier Seeleute ums Leben, dreizehn wurden verletzt und neun von ihren Schiffen entführt.

“Die weltweite Zunahme von Geiselnahmen ist auf die gestiegene Zahl von Angriffen auf küstennahe Tankschiffe in Südostasien zurückzuführen”, sagt Pottengal Mukundan, Direktor des IMB. Zum IBM gehört auch das Piracy Reporting Centre, welches seit 1991 alle Piratenangriffe dokumentiert. “Banden von bewaffneten Dieben attackieren kleinere Tankschiffe in der Region wegen ihrer Ladung. Viele von ihnen suchen ganz gezielt nach Dieselöl oder Gasöl, um dieses zu entwenden und zu verkaufen”.

Das IMB nennt den Todesfall eines Besatzungsmitgliedes, der auf seinem Bitumen-Tankschiff im Dezember erschossen wurde, als Beispiel dafür, dass Geiselnahmen zunehmend  gewaltsamer werden könnten. Die meisten der 124 Attacken in der Region waren auf kleinere Diebstähle ausgerichtet, bei denen Schusswaffen und lange Messer zum Einsatz kamen.

Das IMB lobt die Bemühungen der indonesischen Marine, die Zunahme der Angriffe durch die Identifizierung der gefährdetsten Häfen zu dämpfen. Außerhalb der Hafengrenzen waren Piraten besonders in den Gewässern rund um die Insel Pulau Bintan und im Südchinesischen Meer aktiv, wo 2014 elf Schiffe entführt wurden. Maßnahmen, die von den Behörden Malaysias, Indonesiens und denen anderer betroffener Küstenstaaten ergriffen wurden, spielen eine Schüsselrolle, um auf diese Angriffe zu reagieren.

“Es ist wichtig, dass diese Banden gefangen und vor Gericht gestellt werden, um zu verhindern, dass die Angriffe dreister und gewaltsamer werden“, sagt Pottengal Mukundan.

Öldiebe vor Westafrika

Aus Westafrika wurden 41 Vorfälle gemeldet, auch wenn das IMB sagt, dass viele weitere Angriffe nicht gemeldet wurden. Fünf Schiffe wurden entführt, darunter drei Tankschiffe, ein Versorgungsschiff und ein Fischereiboot. Die Entführung von Öltankern scheint im letzten Quartal 2014 zurückgegangen zu sein, der letzte berichtete Fall stammt von Ende Juli 2014.

Von den achtzehn aus Nigeria gemeldeten Angriffen besteht bei vierzehn Tankern und Schiffen ein Bezug zur Ölindustrie. Die meisten waren Öltanker, die entführt wurden, um die Ladung zu stehlen und auf kleinere Tankschiffe umzuladen. Zu Beginn des Jahres gab es in den Gewässern südlich und westlich des Brass-Terminals eine Serie von bedenklichen Angriffen.

In und um die Ghanaischen Gewässer herum wurden im Juni und Juli drei Schiffe entführt, eines davon war ein Fischerboot, das als Plattform genutzt werden sollte, um Tankschiffe in Nigeria zu entführen. Sieben Schiffe wurden zudem geentert, während sie in Pointe-Noire, einer Hafenstadt in der Republik Kongo, ankerten. Ziel der Diebe war Eigentum der Besatzung an Bord.

Bangladesch

Aus Bangladesch wurden 2014 insgesamt 21 Vorfälle gemeldet, 2013 waren es noch 12. Davon ankerten siebzehn Schiffe, drei Schiffe wurden unterwegs geentert und ein Angriff konnte abgewehrt werden. Die Mehrzahl der Vorkommnisse waren kleinere Diebstähle von den Schiffen, auch wenn in einem Fall drei Geiseln genommen und in zwei weiteren Fällen Besatzungsmitglieder verletzt wurden. Die Küstenwache von Bangladesch half dabei, viele Anfragen von Schiffeignern nach Unterstützung zu erwidern.

Weitere Informationen: Pottengal Mukundan Director, IMB  Tel: +44 20 7423 6960 Email: pmukundan@icc-ccs.org 

IMB Piracy Reporting Centre

Das IMB ist eine Spezialeinheit der Internationalen Handelskammer (ICC). Das zum IMB gehörende Piracy Reporting Centre (PRC) ist weltweit einzige Einrichtung, die rund um die Uhr Berichte über Piraterievorfälle erhält und verarbeitet. Das IMB fordert alle Kapitäne und Schiffseigner auf, alle tatsächlichen, versuchten und mutmaßlichen Vorfälle von Piraterie und bewaffnete Angriffe an das IMB Piracy Reporting Centre zu melden. Dies ist unerlässlich, um Behörden von der Dringlichkeit des Piraterieproblems zu überzeugen.

Zur ICC

Die Internationale Handelskammer (ICC) mit Hauptsitz in Paris fördert offene Märkte und fairen Wettbewerb. Die ICC repräsentiert branchenübergreifend die Interessen von Mitgliedsunternehmen aus rund 130 Ländern. Als Vertretung der Unternehmen weltweit ist sie unter anderem Ansprechpartner der Vereinten Nationen, der WTO und der G20 sowie nationaler Regierungen in internationalen Fragen. Ihre weltweit anerkannten Standards und Regeln erleichtern die Abwicklung internationaler Geschäfte. Der Internationale Schiedsgerichtshof der ICC ist eine der renommiertesten Institutionen privatwirtschaftlicher Streitbeilegung.

Dr. Katrin Rupprecht

Pressesprecherin

ICC Germany e.V. Internationale Handelskammer Wilhelmstr. 43G –  10117 Berlin

Veröffentlicht unter:
Von: Ottmar Becher
Ottmar Becher

Ottmar Becher

Geschäftsführer DMKN GmbH

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