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    Schifffahrt bereitet sich auf neue IMO-Konvention zum Schiffsrecycling vor - Engpässe vermeiden: Erstes GL-Academy-Seminar für Gefahrstoffspezialisten

    Germanischer Lloyd
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    Hamburg, 8. Mai 2009 - Die neue IMO-Konvention "Sicheres und umweltgerechtes Recycling von Schiffen" zielt darauf ab, beim Recycling von Schiffen potenziell gefährliche Arbeitsbedingungen zu vermeiden und gleichzeitig den Schutz der Umwelt sicherzustellen. Die Konvention soll noch in diesem Monat im Rahmen einer Konferenz in Hongkong unterzeichnet werden. Die voraussichtlich 2013 in Kraft tretende Konvention wird für ca. 50.000 Schiffe weltweit die Mitführung einer zertifizierten Schadstoffliste (Inventory of Hazardous Materials, IHM) vorschreiben, in der alle in der Schiffsstruktur und ausrüstung vorhandenen Gefahrstoffe aufgeführt werden. Zur Erstellung dieser Schadstoffliste werden die Schiffseigner auf so genannte Gefahrstoffspezialisten (HazMat Experts) zurückgreifen müssen. Um sicherzustellen, dass diese Spezialisten in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen und die Schiffseigner die Anforderungen der Schiffsrecyclingkonvention erfüllen können, wurde vergangene Woche in Hamburg das erste vom Germanischen Lloyd (GL) veranstaltete viertägige Seminar für zugelassene Gefahrstoffspezialisten (Approved HazMat Experts) abgeschlossen.

    Der Kurs war speziell darauf zugeschnitten, die neuen IMO-Vorgaben für existierende Schiffe effektiv umzusetzen und einzuhalten. Angesichts der großen Anzahl der weltweit betroffenen Schiffe ist es wichtig, dass genügend Gefahrstoffspezialisten verfügbar sind. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick sowie Detailkenntnisse in Bezug auf die Vorschriften und Regelungen der Schiffsrecyclingkonvention sowie die Anforderungen für Schiffseigner und Gefahrstoffspezialisten zu vermitteln.

    Das Seminar informierte über Schiffstechnik, Werkstoffe, relevante Gefahrstoffe und gesetzliche Vorgaben sowie die vom GL detailliert entwickelten Standards und Arbeitsverfahren für das Erstellen exakter Schadstofflisten für existierende Schiffe. Sämtliche Vorgänge für die Konzeption der Schadstoffliste, bestehend aus Vorbereitung auf Basis vorhandener Dokumentation und bau- sowie operativer Einflussgrößen sowie den daraus resultierenden Beprobungsplan (Visual Sampling and Check Plan) wurden erklärt. Beprobungsverfahren und die anschließende Identifizierung und Dokumentation von Gefahrenstoffen bildete einen weiteren Schwerpunkt des Seminars, wobei der Lernprozess durch eine Kombination aus Theorie und interaktiven Fallstudien unterstützt wurde.

    Im praktischen Teil des Seminars inspizierten die Teilnehmer ein Schiff, entnahmen Materialproben, erstellten die entsprechende Dokumentation und begleiteten die weitere Entwicklung der Schadstoffliste durch die Teilnahme an den Laboranalysen. Der gesamte Prozess fand seinen Abschluss in der Fertigstellung der entsprechenden Dokumentation, der rechnerischen Interpretation der Analyseergebnisse und der Zusammenfassung der Erkenntnisse in Form der in naher Zukunft vorgeschriebenen Schadstoffliste. Alle Anforderungen der derzeitigen IMO-Richtlinie zur Erstellung von Schadstofflisten (Guideline for the Preparation of Inventory of Hazardous Materials) wurden erfüllt und in die Praxis umgesetzt. Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar wurde durch eine Prüfung nachgewiesen und wird den Teilnehmern durch den Titel "GL-Approved HazMat Expert" (Gefahrstoffspezialist mit GL-Zulassung) bescheinigt.

    "Der Bedarf an Gefahrstoffspezialisten wird enorm sein und nimmt schon heute stetig zu", sagte Henning Gramann, Umweltingenieur und Experte für Schiffsrecycling beim GL. "Ab 2013 werden innerhalb von fünf Jahren ungefähr 50.000 Schadstofflisten für existierende Schiffe zertifiziert werden müssen." Da die Schiffseigner bei der fristgerechten Erstellung der Schadstofflisten für ihre Schiffe auf Gefahrstoffspezialisten angewiesen sein werden, gelte es, möglichen Engpässen aufgrund eines Mangels an solchen Experten durch frühzeitige Schulung und Bewusstseinsbildung auch international vorzubeugen.

    Der Germanische Lloyd hat bereits zahlreiche Dienstleistungen in Hinblick auf die neue Schiffsrecyclingkonvention entwickelt und alle erforderlichen Schritte im Detail vorbereitet, beispielsweise Zertifizierungen für Neubauten und existierende Schiffe, Beratung zur effektiven Umsetzung der neuen Dokumentationsvorgaben für die maritime Zulieferindustrie und den Schiffbau und Schulungsangebote. Als Vorreiter dieser Entwicklungen sieht der GL seine Verantwortung auch in der Betreuung der Bedürfnisse der Schiffseigner weltweit. Um die enormen Mengen an benötigten Daten und Informationen zu neuen und vorhandenen Schiffen zu verwalten, bietet der GL Zugang zu einem Software-Tool. Mithilfe einer webbasierten Anwendung können Schadstofflisten effizient vorbereitet, erstellt, gepflegt und aktualisiert werden. Dieser Vorgang spart Werften, Schiffseignern und Gefahrstoffspezialisten sowohl Zeit als auch Geld.

    Die IMO-Konvention für sicheres und umweltgerechtes Recycling von Schiffen zielt darauf ab, die Arbeitsbedingungen in den Schiffsrecyclingwerften sowie die mit dem Recyclingprozess verbundenen Umweltstandards zu verbessern. Alle neuen Schiffe werden nach Inkrafttreten der Konvention nur mit einer zertifizierten Schadstoffliste ihren Betrieb aufnehmen dürfen. Die Recyclingwerften werden dann bestimmte Anforderungen an Sicherheit und Umweltschutz erfüllen müssen, um eine Zulassung zu erlangen und beispielsweise Gefahrstoffe sicher handhaben und entsorgen zu können. Im Schiffsrecycling tätige Länder werden verpflichtet sein, die Einhaltung der Konvention in den unter ihre Zuständigkeit fallenden Schiffsrecyclingwerften durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen.

    Das nächste GL-Academy Seminar für Gefahrstoffspezialisten wird im September in Hamburg stattfinden. Darüber hinaus sind weitere Seminare weltweit geplant.


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