Heute ging am Wallmann-Terminal im Hamburger Hafen ein ungewöhnlicher Fahrgast auf Seereise: Die zweitgrößte je von Siemens in Berlin gefertigte Gasturbine wurde an Bord des Stückgutfrachters "Rickmers Jakarta" nach Singapur verschifft. Das 310 Tonnen wiegende Ungetüm soll ab 2010 in einem neuen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk des südostasiatischen Stadtstaates höchst effizient und damit umweltschonend Elektrizität erzeugen. Der Grad der Energieausnutzung beträgt sagenhafte 80 Prozent. Mit einer Leistung von rund 250 Megawatt - vergleichbar etwa soviel wie 3.500 Mittelklasse-PKW oder 100 herkömmliche Windenergieanlagen - könnte die 11 Meter lange und fünf Meter hohe Gasturbine theoretisch auch Dreiviertel der in Hamburger Privathaushalten benötigten elektrischen Energie erzeugen.
Der Vortransport der Gasturbine erfolgte direkt vom Berliner Siemens-Werk per Binnenschiff nach Hamburg, wo der moderne Mehrzweck-Schwergutfrachter der Rickmers-Linie die Ladung mit den Bordkränen direkt aus dem Binnenschiff übernahm. Der Umschlag erfolgte am Wallmann-Terminal, an dem Rickmers seit 2008 zu 25,1% beteiligt ist.
Die RICKMERS JAKARTA ist eines von neun in den Jahren 2002 bis 2004 in Dienst gestellten Schwesterschiffen, die im ostgehenden "Round-The-World Pearl String Service" der Rickmers-Linie die industriellen Zentren der Erde miteinander verbinden. Der Dienst bietet vierzehntägliche Abfahrten von Hamburg, Antwerpen und Genua nach Singapur, Indonesien, Thailand, Vietnam und China. Von dort geht die Reise über Japan und Südkorea weiter nach Nordamerika. In New Orleans, Houston und Philadelphia laden die Schiffe für Europa und bereits auch wieder für Asien.
Die RICKMERS JAKARTA kann mit ihren Bordkränen Ladungsteile bis zu einem Stückgewicht von 640 to heben. Ihre Laderäume sind mit Luftentfeuchtungsanlagen und mit sog. verstellbaren Zwischendecks ausgestattet. Sie ist 192 m lang und erreicht eine Dienstgeschwindigkeit von 18 kn. Die Reisezeit nach Singapur wird ca. 28 Tage betragen.
Die Rickmers-Linie mit Sitz in Hamburg ist Spezialist für Stück-, Schwergut- und Projekt-verschiffungen. Neben dem genannten "Pearl String Service" verkehren Schiffe der Rickmers-Linie auch von Europa nach Nahost und Indien und zurück, sowie von der Ostküste der USA nach Nordchina, Südkorea und Japan.
Die von Siemens am über 100-jährigen Traditionsstandort Berlin-Moabit gefertigte Turbine ist Bestandteil eines Auftrages über den Neubau eines Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerks mit Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Umrüstung bestehender GuD-Kraftwerke auf Kraft-Wärme-Kopplung. Auftraggeber ist PowerSeraya Ltd., ein Tochterunternehmen der staatlichen Investgesellschaft Temasek, Holdings Pte Ltd. Das Auftragsvolumen einschließlich eines langfristigen Servicevertrags beträgt rund 520 Mio. EUR. Davon entfallen rund 375 Mio. EUR auf Siemens. Die Inbetriebnahme der neuen Anlage ist für Anfang 2010 geplant.
Siemens errichtet das aus zwei Blöcken bestehende 800-Megawatt(MW)-Kraftwerk zusammen mit dem Konsortialpartner Samsung Corporation. Die Lieferung von Siemens umfasst neben den beiden Gasturbinen des Typs SGT5-4000F auch zwei Dampfturbinen und zwei wasserstoffgekühlte Generatoren, die Abhitzekessel (HRSG) sowie die komplette Elektrotechnik und Kraftwerksleittechnik. Die hocheffiziente GuD-Anlage mit einer Energienutzung von über 80 Prozent arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Die Anlage wird Strom in das öffentliche Netz einspeisen und gleichzeitig Prozessdampf für eine angrenzende Raffinerie von Petrochemical Corporation of Singapore Private Ltd. liefern.
PowerSeraya ist einer der größten Stromerzeuger in Singapur und liefert rund 30 Prozent des Energiebedarfs des Stadtstaats. Die hocheffiziente Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung wird einen wesentlichen Beitrag leisten, um den steigenden Strombedarf Singapurs sowohl wirtschaftlich als auch umweltverträglich zu decken. Mit dem Bau der beiden neuen Blöcke und der Erweiterung der beiden bestehenden Anlagen verfügt PowerSeraya über vier identische GuD-Kraftwerke auf Jurong Island.
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