Mit einem Seegüterumschlag von 110 Millionen Tonnen bleibt Deutschlands
größter Universalhafen in dem von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise
geprägten Jahr 2009 rund 30 Millionen Tonnen (- 21,4 Prozent) unter dem vergleichbaren
Vorjahresergebnis. Für 2010 ist Besserung in Sicht und die Hafenwirtschaft
geht von einem moderaten Wachstum aus.
Claudia Roller, Vorstand von Hafen Hamburg Marketing e.V. (HHM), präsentierte heute auf
der Hafen Hamburg Jahrespressekonferenz das Umschlagergebnis 2009. „Mit einem Gesamtumschlag
von 110,4 Millionen Tonnen verzeichnen wir in einem für die gesamte Hafenwirtschaft
und Schifffahrt schwierigen Jahr einen in unserer bisherigen Hafenentwicklung
außergewöhnlich hohen Rückgang. Im Zeitraum Januar bis Dezember 2009 wurden an den
Terminals des Hamburger Hafens rund 30 Millionen Tonnen weniger umgeschlagen als im
Jahr 2008. Seit dem dritten Quartal 2009 empfangen wir aber bereits erste Signale für eine
Stabilisierung und sehen Anzeichen für eine leichte Aufwärtsentwicklung“, erläuterte Roller.
„Nach Auswertung des Seegüterumschlags für das vierte Quartal 2009 können wir feststellen,
dass der Seegüterumschlag im zweiten Halbjahr gegenüber der ersten Jahreshälfte um
3,7 Prozent zulegte. Die Talsohle ist durchschritten und der Hamburger Hafen nimmt wieder
Fahrt in Richtung moderates Wachstum auf“, zeigte sich Roller zuversichtlich.
Dass die Weltwirtschaft die härteste Rezession seit Jahrzehnten schneller hinter sich lässt
als noch im vergangenen Jahr angenommen, prognostiziert in aktuellen Veröffentlichungen auch der Internationale Währungsfonds (IWF). „Wir gehen davon aus, dass die exportstarke
deutsche Wirtschaft von der Zunahme des Welthandels bereits 2010 profitieren wird. Hinzu
kommt, dass die Volksrepublik China, der wichtigste Außenhandelspartner des Hamburger
Hafens, durch die dort anziehende Außenwirtschaft wieder für zunehmende Warenströme im
Seeverkehr sorgen wird. Der Hamburger Hafen wird bereits 2010 als größter deutscher Universalhafen
und wichtigste Drehscheibe der Asien- und Chinaverkehre mit Nordeuropa und
den Ostseestaaten von diesen positiven Entwicklungen profitieren und kann mit einem Gesamtwachstum
um die drei bis vier Prozent rechnen“, ist Roller überzeugt.
Jens Meier, Vorsitzender Geschäftsführer der Hamburg Port Authority, betonte in seinem
Statement, dass „jetzt die Weichen für die Zukunft des Hamburger Hafens gestellt werden
müssen“. Der neue Hafenentwicklungsplan, den die HPA zurzeit erarbeitet, entsteht unter
anderen Vorzeichen als bisher und bezieht die globalen Entwicklungen in die Hafenstrategie
mit ein. Erste Erkenntnisse aus dem Untersuchungsbericht einer namhaften Unternehmensberatung
zeigen beispielweise, dass das Ausschöpfen des Umschlagspotenzials durch aktivere
Ausrichtung auf Wachstumsregionen ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Hafenentwicklung
ist. Ein weiterer ist die Erhöhung der Wertschöpfung durch gezielte Ansiedlung zukunftsfähiger
Industrien mit Hafenaffinität. Die Auswertung dieser den Hafenentwicklungsplan
begleitenden Studie erfolgt in den nächsten Monaten.
Hamburgs Senator für Wirtschaft und Arbeit, Axel Gedaschko, hob in seinen Ausführungen
zur Hafenentwicklung vor, dass die Stadt Hamburg keine Kürzungen bei Hafeninvestitionen
vornehme und rund eine Milliarde Euro bereitstelle. Die gemeinschaftlich zwischen Behörden
und der Hafenwirtschaft initiierten Anstrengungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
des Hafens führten bereits zu ersten positiven Ergebnissen. Der Fahrplan für die Fahrrinnenanpassung
der Unter- und Außenelbe sei mit den verantwortlichen Stellen fest vereinbart
und der Senator rechne im Herbst 2010 mit dem Planfeststellungsbeschluss. Erste Arbeiten
an Buhnenwerken in der Nähe von Otterndorf könnten dann noch 2010 beginnen. Eine Beteiligung
Hamburgs an dem im Bau befindlichen Containerhafen Wilhelmshaven schloss
Gedaschko aus. In enger Kooperation mit den Nachbarländern ist Hamburg aktiv bei der
Umsetzung des Nationalen Hafenkonzepts und des Elbe-Hafenkonzepts. Mit den weltweiten
Aktivitäten von Hafen Hamburg Marketing e.V. sind der Hamburger Hafen und die regionalen
Partnerhäfen und Umschlagzentren entlang der Elbe bestens aufgestellt.
Das für den Hafen schwierige Jahr 2009 im Überblick
Auf der Importseite ermittelte Hafen Hamburg Marketing e.V., die Marketingorganisation des
Hamburger Hafens, ein Umschlagergebnis von 62,2 Millionen Tonnen (- 24,2 Prozent). Der
Export via Hamburg entwickelte sich mit 48,2 Millionen Tonnen (- 17,4 Prozent) ebenfalls
rückläufig im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der in Hamburg dominierende Stückgutumschlag wurde durch die weltwirtschaftliche Flaute mit 73,6 Millionen Tonnen (- 24,8 Prozent)
stärker getroffen als der Massengutumschlag, der 2009 ein Gesamtergebnis von 36,8 Millionen
Tonnen (- 13,4 Prozent) erreichte. Im Containerumschlag des Hamburger Hafens wurden
im Berichtsjahr 2009 insgesamt 71,2 Millionen Tonnen (- 25,1 Prozent) abgefertigt. In
TEU (20-Fuß-Standardcontainer) gezählt waren dies 7,01 Millionen TEU (- 28,0 Prozent).
Das für den Hamburger Hafen im Containerverkehr dominierende Fahrtgebiet bleibt auch
2009 Asien. Von und nach Asien wurden 2009 insgesamt 4,2 Millionen TEU (- 24,3 Prozent)
umgeschlagen. Das sind rund 1,3 Millionen TEU weniger als im Vorjahreszeitraum. Da ein
großer Teil dieser asiatischen Import- und Exportladung via Hamburg auf dem Seeweg in
europäische Häfen als Transhipment im Feederverkehr abgefertigt wird, bleibt auch der Containerverkehr
mit den Ostseestaaten mit 1,4 Millionen TEU rund 43,8 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.
„Der Massengutumschlag brachte dem Hafen neben Einbrüchen bei den Erz- und Kohleimporten
auch positive Umschlagergebnisse. Insgesamt konnte sogar beim Export von Massengütern
wie Sauggut, Greifergut und Flüssigladung mit einer Umschlagmenge von 11,3
Millionen Tonnen (+ 6,3 Prozent) ein Wachstum erreicht werden“, erläuterte Claudia Roller.
Sie zeigt sich zuversichtlich, dass trotz der durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verursachten
weltweiten Umschlagrückgänge in den Seehäfen die Nachfrage nach den vielfältigen
Hafen- und Logistikdienstleistungen im Hamburger Hafen zunehmen wird. Auch die bereits
auf den Weg gebrachten Unternehmens- und Infrastrukturinvestitionen schaffen die Voraussetzungen
für weiteres Wachstum.
Von größter Wichtigkeit bleibt die aus Sicht der Hamburger Hafenwirtschaft unbedingt erforderliche
Fahrrinnenanpassung der Außen- und Unterelbe, von der auch die Region und die
exportorientierte deutsche und europäische Wirtschaft profitiere. „Für die Außenwirtschaft in
Deutschland und unsere europäischen Nachbarn in Mittel- und Osteuropa, Russland sowie
Skandinavien übernimmt der Hamburger Hafen mit seinen leistungsfähigen Verkehrsanbindungen
eine entscheidende Verteilerfunktion an der Schnittstelle der Land- und Seeverkehre.
Die internationalen Reeder, die heute bereits im regelmäßigen Liniendienst in zunehmender
Zahl Großcontainerschiffe nach Hamburg einsetzen, erwarten eine zügige Umsetzung
der Fahrrinnenanpassung. So stieg die Zahl der Großcontainerschiffe im Hamburger Hafen
mit mehr als 10.000 TEU Stellplatzkapazität 2009 von 29 auf 69 Einheiten“, verdeutlichte
Roller.
Mit Marketing-Kompetenz aus der Krise
Claudia Roller ist davon überzeugt, dass der Hamburger Hafen engagiert die Wirtschaftskrise
als Chance nutzt. „Der Hamburger Hafen muss im internationalen Wettbewerb deutlich seine Vorteile herausstellen. Für uns als Hafen Hamburg Marketing e.V. hat diese Aufgabe
Priorität. Wir positionieren den Hafenstandort und seine Metropolregion erfolgreich im Markt,
indem wir auf die Vorteile ökologisch und ökonomisch effizienter Transportketten via Hamburg,
das weiter optimierte Netz an Hinterlandverbindungen sowie das in Nordeuropa dichteste
Netz an Feederverbindungen in den Ostseeraum aufmerksam machen und dafür intensiv
und zielgerichtet werben,“ erläuterte die HHM-Marketingexpertin. HHM stellt in den vergangenen
Wochen und Monaten ein wachsendes Interesse für Mitgliedschaften und Aktivitäten
des Vereins fest und legt für das Jahr 2010 mit mehr als 60 Kundenveranstaltungen,
zahlreichen internationalen Messebeteiligungen, einer erweiterten Marktforschung und verstärkter
Imagewerbung ein intensiviertes Marketing Programm vor. Mit dabei sind auch vermehrt
die HHM-Partnerhäfen und Mitgliedsunternehmen aus der Elbregion und aus dem
Binnenland. „Mit dem Ende Januar erfolgten Umzug unserer Zentrale in die Speicherstadt
rücken wir unseren Mitgliedern im Hamburger Hafen noch ein Stück näher und werden die
hervorragende Infrastruktur an unserem neuen Standort erfolgreich für unsere tägliche Marketingarbeit
im Dienste der Seehafenverkehrswirtschaft Hamburgs und der Region nutzen“,
betonte Claudia Roller.
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