Anlässlich der Beantwortung seiner Kleinen Anfrage zur Ratifizierung des
ILO-Übereinkommens zur Einführung eines Seeleuteausweises durch die
Bundesregierung, erklärt der schifffahrts- und hafenpolitische Sprecher
der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann:
Die Bundesregierung hat erklärt, dass sie nicht vorhabe, das Abkommen
der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf zur Einführung eines
internationalen Seeleuteausweises umzusetzen. Dabei hat der Bundestag am
11. November 2004 die Bundesregierung ohne Gegenstimme aufgefordert, die
Ratifizierung des ILO-Übereinkommens 185 zügig einzuleiten.
Die Bundesrepublik hat dem Übereinkommen 2003 wie fast alle
Mitgliedsstaaten der ILO zugestimmt. Doch obwohl die USA die treibende
Kraft bei diesem Übereinkommen waren, weigerte sich die USA kurz darauf,
das Abkommen zu ratifizieren. Dies ist auch der wahre Grund, warum die
Bundesregierung von einer Ratifizierung absieht. Die Gründe in der
Antwort auf die Kleine Anfrage sind nur vorgeschoben.
Ich meine aber, dass wir dem Vorbild Frankreichs folgen sollten und uns
weiterhin international für die Ratifizierung einsetzen sollten, um den
Druck auf die USA zu erhöhen. Es kann nicht angehen, dass die USA alle
anderen Staaten ständig am Nasenring durch den Ring ziehen und alles
ihren eigenen nationalen Interessen unterordnet.
Der internationale Seeverkehr ist der Motor des Welthandels und im
Interesse Aller tun wir gut daran, für achterlichen Wind zu sorgen und
nicht ständig für Gegenwind. Schon der US-Safe-Port-Act hängt wie ein
Damoklesschwert über der deutschen und europäischen Hafenwirtschaft. Wir
können nicht ständig die Erfordernisse des Welthandels auf dem Altar
angeblicher Sicherheitsinteressen opfern.
Die Vorteile des ILO-Übereinkommens 185 liegen auf der Hand:
- der internationale Seeleuteausweis ermöglicht den Besatzungswechsel der Schiffe in den Häfen, ohne dass sich die Seeleute wochenlang um ein Visum bemühen müssen
- der internationale Seeleuteausweis vereinfacht den Landgang der Seeleute nach anstrengender Seefahrt
- der internationale Seeleuteausweis ermöglicht eine Entbürokratisierung (in Deutschland könnten beispielsweise die Schifffahrtsbücher abgeschafft werden)
Wir sollten nicht ständig wie ein ängstliches Kaninchen auf die Schlange schauen, respektive über den Atlantik zur USA, sondern als Europäer deutlich machen, dass wir für die Ratifizierung des Übereinkommens sind. Denn auch ohne die USA wäre ein in Kraft treten des Übereinkommens sinnvoll, z.B. in der Linienschifffahrt nach Asien und Afrika. Dafür werden die Amerikaner nicht benötigt.
Wenn wir uns zur Speerspitze dieses Übereinkommens machen, werden vielleicht auch die USA nach den Präsidentschaftswahlen aufwachen und ihren internationalen Verpflichtungen wieder nachkommen.
Deshalb werde ich wie bereits 2004 erneut versuchen, im Bundestag eine interfraktionelle Initiative hierzu auf den Weg zu bringen, damit der Bundestag der Bundesregierung abermals und unmissverständlich deutlich macht, dass das Parlament die Ratifizierung des ILO-Übereinkommens 185 möchte.
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