Hamburg, 14. April 2008 - Die Schifffahrt soll umweltfreundlicher werden.
Mit diesem Ziel war das Marine Environment Protection Committee (MEPC) der
Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) in seiner 57. Sitzung
zusammengetreten. Beraten wurde unter anderem über die Reduzierung von
Schadstoffemissionen, Fragen zum Ballastwasser-Management sowie die geplante
Konvention zum umweltgerechten Recycling von Schiffen. Beim GL First Class
Exchange Forum diskutierte der Germanische Lloyd (GL) mit mehr als 60
interessierten Kunden über die aktuellen Entwicklungen.
Dr. Pierre C. Sames, Director Strategic Research and Development des GL,
verwies einleitend auf die unbedingte Notwendigkeit zum Dialog. Als
Repräsentant des deutschen Flaggenstaats sowie als Mitglied in der IACS, dem
Dachverband der Klassifikationsgesellschaften, arbeitet der Germanische
Lloyd aktiv an internationalen Entscheidungen mit. "Wir sind aber auf Ihre
Kommentare und Einschätzungen angewiesen", so Sames. "Gemeinsam müssen wir
Argumente formulieren, um unsere nationalen Interessen durchzusetzen." Die
zentrale Frage der Veranstaltung lautete: Hat die MEPC-Sitzung substantielle
Beschlüsse hervor gebracht oder doch nur "heiße Luft"? Die Antwort gaben die
GL-Experten in der Unternehmenszentrale.
Christoph Peickert, Deputy Head of Stability Department, informierte über
den aktuellen Stand zum Thema Ballastwasser Management. "Keiner weiß, wann
die Konvention in Kraft treten wird", so Peickert. Derzeit haben 13 Staaten
die Ballastwasser-Konvention ratifiziert - diese repräsentieren jedoch nur
3,6 Prozent der Welttonnage. Das Inkrafttreten der Konvention war
ursprünglich für 2009 geplant. Um die Rahmenbedingungen für das
Inkrafttreten sicherzustellen, werden der Entwicklungsstand und die
Verfügbarkeit der Ballastwasserbehandlungsanlagen kontinuierlich von der IMO
beurteilt. Außerdem ist die Komplimentierung des Regelwerks als vorrangiges
Arbeitsziel eingestuft. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass die IMO am
ursprünglichen Zeitplan festhält und diesen auch rückwirkend anwendet.
"Seien Sie vorbereitet", lautete der Appell an die Kunden.
Auch die Konvention zum sicheren und umweltgerechten Recycling von Schiffen
steht kurz vor der Verabschiedung, die durch die IMO für Oktober 2008
geplant ist. Der Ratifizierungsprozess könnte dann Mitte 2009 beginnen.
Henning Gramann, Experte für Schiffsrecycling, war für den GL in der
zuständigen Arbeitsgruppe vertreten. Diskutiert wurde u.a. die Frage, ob
Schiffe von Staaten, die die Konvention ratifiziert haben (Party States), in
Nichtmitglieds-Staaten (Non-Party States) abgewrackt werden dürfen. Henning
Gramann: "Ziel ist es, dass Schiffe von Party States auch nur in anderen
Party States entsorgt werden." Ein Kunde gab zu bedenken, dass die
Kommunikation mit Recycling-Staaten wie Bangladesh oder Pakistan nicht immer
einfach sei. Gramann verwies darauf, dass viele Staaten, darunter auch
Indien, große Teile der Konvention bereits in die nationale Gesetzgebung
übernommen hätten. Er zeigte sich optimistisch: "Die Konvention wird kommen.
Die Frage ist nur wann."
Ein wichtiger Schritt des MEPC 57 ist die Überarbeitung der Anlage VI zur
Internationalen Marpol-Konvention, die strenge Begrenzungen zum
Schwefelgehalt in Treibstoffen vorsieht. Wie Hans J. Götze, Head of
Department Combustion Engines - Environmental, in seinem Bericht erläuterte,
wurde ein Zwei-Stufen-Plan zur Reduzierung von Schadstoffemissionen
vereinbart: Konkret soll der zulässige Schwefelgehalt von derzeit 4,5
Prozent bis 2012 auf 3,5 und bis 2020 auf 0,5 Prozent gesenkt werden. In den
Überwachungszonen der SECAs (Sulphur Emission Control Areas) beträgt der
Grenzwert schon jetzt 1,5 Prozent. Dieser soll bis 2010 auf 1 Prozent und
bis 2015 auf 0,1 Prozent sinken. "Die neuen Regeln werden 2018 noch einmal
auf ihre Umsetzbarkeit überprüft", so Götze. Noch sei nicht genau abzusehen,
ob Treibstoff mit einem derart geringen Schwefelanteil in ausreichenden
Mengen verfügbar sein wird. Um den SOx-Ausstoß weiter zu reduzieren, ist
auch die Einführung weiterer ECA-Gebiete (Emission Control Areas)
vorgesehen. Die Namensänderung der SECA- in ECA-Gebiete trägt dem erklärten
Ziel Rechnung, auch andere Schadstoffe in diesen Gewässern zu limitieren. So
ist für die Zukunft auch eine weitere Reduzierung der Stickoxidemissionen
(NOx) vereinbart.
Die neue Marpol-Anlage VI wird auch weiterhin für alle Schiffe gelten. Die
überarbeitete Version wird voraussichtlich während der 58. Sitzung des MEPC
im Oktober verabschiedet und dann aller Wahrscheinlichkeit nach im Februar
2010 weltweit in Kraft treten. Götze: "Eine zeitnahe Umsetzung ist wichtig,
um regionale und nationale Einzellösungen zu vermeiden!"
Das gilt insbesondere auch für Bestimmungen zur Reduzierung von
CO2-Emissionen. "So richtig viel ist in diesem Bereich in den letzten Jahren
nicht passiert", berichtete Pierre C. Sames. Die Schifffahrt trage nur zu
einem kleinen Teil zum weltweiten CO2-Ausstoß bei, doch dieser soll -
politisch gewollt - kontrolliert werden. Pessimistische Prognosen sagen
voraus, dass sich die CO2-Belastung durch die Welthandelsflotte bis 2050
verdoppeln wird. Die IMO ist deshalb aufgefordert bis 2009 eine Strategie
zur CO2-Reduzierung vorzulegen. Sames: "Wenn die IMO es nicht schafft, dann
macht es die EU." Bei der MEPC 57-Sitzung sei kein wirklicher Fortschritt
erzielt worden. Einige Zwischenergebnisse gibt es jedoch: So soll der
Vorschlag Dänemarks, Schiffsdiesel international einheitlich zugunsten von
Umweltschutzprojekten in Dritte-Welt-Ländern zu besteuern, näher diskutiert
werden. Gleiches gilt für den bereits verfügbaren operativen CO2-Index und
dessen mögliche Verbindung mit einem Emissions-Zertifikatehandel sowie einen
verbindlichen Design-CO2-Index. "Ich erwarte, dass der verpflichtende
CO2-Index kommt", erklärte Pierre C. Sames. Seine Empfehlung an die
Schiffsbetreiber: "Probieren Sie den operativen CO2-Index aus und teilen Sie
der IMO Ihre Erfahrungen mit!" Dafür bleibt jedoch nicht viel Zeit: Bis zum
30. Mai können Vorschläge bei der zuständigen Arbeitsgruppe (Intersessional
Working Group, ISWG) über den Flaggenstaat eingereicht werden.
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.

