Emissionen belasten die Küsten / Eu-Richtlinie soll Anreize schaffen
(Husum/Cuxhaven/Varel i.O.) Unterstützung erhält die Bundesregierung für ihren Einsatz bei der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO zum Ersatz des Schweröls in der Schifffahrt durch sauberen Schiffsdiesel (MDO) von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste SDN. Der kommunale Umweltverband bittet die Regierung, beharrlich das Ziel zu verfolgen, damit das Verbot in die nächste Änderung des sog. MARPOL-Abkommens aufgenommen und kurzfristig international verbindlich wird.
"Die Küstenkreise und Gemeinden, deren wirtschaftliche Existenz vom Tourismus abhängt, sind in besonderer Weise auf eine intakte Umwelt mit sauberem Wasser und reiner Luft angewiesen", unterstreicht der Vorsitzer der SDN, Rudolf-Eugen Kelch.
Die Emissionen aus der Verbrennung von Schweröl in der Schifffahrt würden die Küste mit Schwefel- und Stickoxiden sowie Feinstaub belasten. Diese Luftbelastung sei eine schleichende Gefahr für die Gesundheit und Umwelt und unvereinbar mit dem Prädikat als Erholungs- und Luftkurort. Zusätzlich verschmutzen die immer noch vorkommenden illegalen Entsorgungen von Verbrennungsrückständen das Meer und die Küste. Abhilfe könne daher nur durch ein Verbot der Schweröle und Einsatz "sauberer" Destillate bei gleichzeitiger Verbesserung der Motoren- und Abgasreinigungstechnik geschaffen werden, erklärt Kelch. Technisch aufwendige Einrichtungen zum Auswaschen von Schwefel an Bord von Schiffen lehne die SDN ab.
Die SDN fordert daher den ausschließlichen Einsatz von sauberem Dieselöl in der Schifffahrt. Eine Verteuerung der transportierten Waren für den Konsumenten durch die höheren Treibstoffkosten oder vorübergehenden Engpass bei der Versorgung mit Diesel und Heizöl sei kaum wahrscheinlich. Gleichwohl, so Kelch, gebe es keine technischen Hinderungsgründe und der Einsatz von Dieselöl werde zu einem effizienteren Umgang und somit zu einem Gewinn für die Umwelt führen. Zumal alte Raffinerien gegen neue umgerüstet werden müssen, bei denen kein Schweröl anfalle und ein geringerer Energieaufwand erforderlich sei.
Zusätzlich zur IMO sei die EU aufgrund ihrer Zuständigkeit gefordert, ökonomische Anreizsysteme zur Verminderung von schiffsinduzierten Emissionen (Schwefel, Stickoxide, Feinstaub und CO2) zu erarbeiteten. Eine Richtlinie nach dem Vorbild des Abwasserabgabengesetzes sei der richtige Weg. Diese soll dann einheitlich in allen europäischen Häfen als Aufschlag/Abschlag für die Hafengebühren angewendet werden und könne als weit reichende Anreizinstrumente für eine konsequentere Nutzung von Emissionsminderungspotentialen dienen, erläutert der Vorsitzer.
Zur Erarbeitung von Mindestanforderungen für ökonomische Anreizsysteme durch die EU sei eine Quantifizierung aller Schiffsemissionen erforderlich. Die SDN fordert die Bundesregierung auf, die aus Datenschutzgründen von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung abgelehnte Herausgabe der Schiffsbewegungsdaten zu überprüfen und den Weg für eine regelmäßige, detaillierte und transparente Emissionsberichterstattung zu ebnen.
Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste hatte auf dem Verkehrsgerichtstag 2008 ihre Forderungen eingebracht und erhielt dort in allen Punkten eine breite Unterstützung. Die beschlüsse des Verkehrsgerichtstages haben Gewicht, so dass die Hoffnung auf einen Ausstieg aus dem Schweröl als Schiffstreibstoff in absehbarer Zeit berechtigt ist.
Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste SDN ist ein Umweltschutz-Dachverband, dessen Aufgaben im Nordseeschutz liegen.
Seit über 30 Jahren haben sich in der SDN Naturschutzvereine, Kommunen und Landkreise aus dem Küstenbereich der Nordsee, Institute, Verbände und Einzelpersonen zusammengeschlossen, um sachlich-fachlich und parteiübergreifend Probleme des Nordseeschutzes aufzugreifen und einer Lösung zuzuführen.
Bereits bei der Gründung der SDN 1973 durch den verstorbenen Landrat Peters (Landkreis Aurich) wurde deutlich, dass es für die Landkreise angesichts ihrer Lage und Rolle in der Bundesrepublik sehr schwer werden würde, die nordseespezifischen Interessen allein, beziehungsweise über den Landkreistag zu vertreten. Daher hat man sich bereits damals entschlossen, die Fragen des Fremdenverkehrs und des Umweltschutzes in Form eines Zusammenschlusses aller Küstenlandkreise und Gemeinden zu bearbeiten und zu vertreten. Somit war die SDN das Sprachrohr aller Küstenkreise und -kommunen gegenüber Bund und Länden. Nur gemeinsam waren sie in der Lage, ihre berechtigten Forderungen gegenüber den anderen politischen Gruppierungen durchzusetzen. Das gilt heute genauso wie damals.
Für die Kreise und Gemeinden ist die SDN die ideale Organisationsform, die aktuellen Nordseeprobleme in einer gemeinsamen kommunalen Familie anzusprechen, nordsee- und küstenspezifische Lösungen zu erarbeiten und durchzusetzen. Ebenso können die Kommunen in dieser Organisationsform leichter und schneller Konflikte zwischen Umwelt- und Wirtschafsbelangen diskutieren bzw. verdeutlichen, dass neben den Aspekten des Umweltschutzes auch die Belange der Fischerei und des Tourismus für sie eine hohe Bedeutung haben.
Ziel der SDN ist es, alle behandelten Themen durch entsprechende Veröffentlichungen bei Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Öffentlichkeit soweit ins Bewusstsein zu rücken, dass Denk- und Entscheidungsprozesse ausgelöst werden.
Zu den wesentlichen Themen der SDN gehören u.a.:
- die Luftüberwachung der Nordsee wurde maßgeblich von der SDN vor 20 Jahren initiiert und ist heute in einem guten Zustand für die Überwachung der Meere vorhanden
- Das Verbot der Dünnsäureverklappung und die Sonderabfallverbrennung auf See wurde maßgeblich von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste initiiert
- die Schiffssicherheit mit guter Lotsführung, ein Thema, das die SDN mit dem damaligen Mitglied Landkreis Stade angestoßen hat, ist heute in der aktuellen Diskussion
- bereits in den 80er Jahren hatte sich die SDN für den Einsatz von Doppelhüllen-Tankern massiv eingesetzt. Auch ein sicherer Transport von gefährlichen Gütern in gesonderten Containern, die bei einem Überbordgehen wieder auffindbar sein sollten, wurde mit den Behörden diskutiert
- die Pflicht zur Öl- und Abfallentsorgung der Schiffe in den Häfen wurde nur von der SDN 1984 gefordert, und heute gibt es eine EU-Richtlinie, die seit Dezember 02 europaweit in Kraft ist
- die Reinhaltung aller der Nordsee zufließenden Flüsse wurde ebenso maßgeblich von der SDN beeinflusst. Die Nachrüstung der Kläranlagen zur Eliminierung von Stickstoff und Phosphor war eine sehr frühe Forderung der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste an Politik und Verwaltung bereits Anfang der 80-er Jahre
- es war die SDN, die bereits seit Ende der 80er Jahre eine Deutsche Küstenwache forderte, die dann 1994 als sog. "Koordinierungsverbund" in Cuxhaven eingeführt wurde. Weiterhin wird die SDN darauf achten, dass es nicht nur bei der Schaffung eines Havariekommandos bleibt, sondern eine "Deutsche Küstenwache" mit straffen Führungsstrukturen zukünftig aufgebaut wird
- gäbe es die SDN nicht, gäbe es auch keinen Notschlepper wie die "Oceanic" in der Deutschen Bucht und auch die öffentliche Ausschreibung eines echten Notschleppers als Nachfolger der "Oceanic" wäre bis heute nicht auf den Weg gebracht. Die Ereignisse um die Havarie der Pallas haben verdeutlicht, welche Rolle die SDN bei dem Inhalt des zukünftigen Sicherheitskonzeptes Deutsche Bucht spielte und spielen wird.
- "Eutrophie und Landwirtschaft"
- "Antifouling im Meer - Gefahr durch Schiffsanstriche"
- "Fehlentwicklungen in der Fischerei"
- "Apron - Plus; Die Spitze des Eisberges"
- "Klimaveränderung und Küste"
- "Referenzgebiete - Sinn und Unsinn von Nutzungsfreien Zonen an unseren Küsten"
- "Naturschutz im Abseits? - Wege aus der Sackgasse"
- "Zukunft der Muschelfischerei"
- "Fahrwasservertiefungen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt"
- "Ökologische Qualitätsziele für das Meer"
- "Einflüsse des Menschen auf Küstenvögel"
- "Geht es der Nordsee besser - Eine Bilanz"
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