Erfolgreich werde sich die Piraterie in Somalia letztlich nur unterbinden lassen, wenn es gelingt, dort stabile staatliche Strukturen mit entsprechenden Behörden zu implementieren, die konsequent gegen Piraten vorgehen, sagt Flottillenadmiral Rainer Brinkmann, Direktor des mit der NATO eng kooperierenden Kompetenzzentrums der Deutschen Marine Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters (COE CSW), in einem Exklusivinterview für die Hamburg Messe und Congress, Veranstalter der MS&D 2009. Das Problem moderner Piraterie ist ein Schwerpunktthema der zweiten internationalen Konferenz und Fachmesse “Maritime Security & Defence“ (MS&D), die vom 30.September bis 2. Oktober 2009 auf dem Gelände der Hamburg Messe stattfindet.
Wie Admiral Brinkmann ist auch Vizeadmiral a.D. Lutz Feldt, Chairman der MS&D, überzeugt, dass im derzeit gefährlichsten Seegebiet am Horn von Afrika militärische Aktionen gegen die somalischen Freibeuter von wirtschaftlichen, politischen und diplomatischen Initiativen flankiert werden müssen, um die internationale Schifffahrt zu schützen. Von einer Verfolgung und Bekämpfung der Piraten an Land hält Feldt wenig: “Die Ausweitung der militärischen Operationen auf die Küstenregion zum Beispiel in Somalia, wäre eine Eskalation deren Konsequenzen schwer einzuschätzen sind. Genau wie die immer wieder geforderte Versenkung der gekaperten "Mutterschiffe" sind damit hohe Risiken für die Besatzungen verbunden. Aber wenn es gelingt, die verantwortlichen regionalen Machthaber zu gewinnen und ihnen eine mittel- und langfristige Option für die Zukunft aufzuzeigen, dann lösen Sie das Problem an Land.“
Flottillenadmiral Brinkmann, der in seinem Vortrag zum Defence-Thema, dem zweiten Schwerpunkt der MS&D-Konferenz, die operativen Gegebenheiten der Minenkriegführung beleuchtet und daraus Anforderungen an neue Technologien ableitet, ist durch seine Tätigkeit als Commander der Combined Task Force (CTF) 150 am Horn von Afrika in den Kampf gegen den internationalen Terrorismus eingebunden. Die Bekämpfung der Piraten sei zwar keine originäre Aufgabe der CTF 150, jedoch seien auch schon Einheiten im Rahmen der Nothilfe Schiffen zu Hilfe geeilt, die von Seeräubern angegriffen wurden. Zusammen mit der im Januar 2009 vom US Naval Forces Central Command gegründeten Task Force (TF) 151 operieren im Seegebiet vor der somalischen Küste zahlreiche Seestreitkräfte unterschiedlicher Nationen. Dauerhaft präsent sei dort eine zweistellige Anzahl von Marineeinheiten, so Brinkmann.
Dass die Piraten sich nicht durch die große Zahl von Marineschiffen haben beeindrucken lassen, führt MS&D-Chairman Vizeadmiral a.D. Feldt hauptsächlich auf zwei Faktoren zurück: “Erstens handelt es sich um ein sehr großes Seegebiet und zweitens sind die militärischen Aktionen nicht konsequent und einheitlich genug, das Verhalten ist zu reaktiv, das reicht bei diesen Kriminellen nicht aus.“
Brinkmann sieht auch die Handelsschifffahrt in der Pflicht, sich nicht allein auf die Seestreitkräfte zu verlassen, sondern selbst geeignete Maßnahmen zum Selbstschutz gegen die Kaperer zu ergreifen. „Die Handelsschifffahrt sollte ihre Möglichkeiten, sich ´proaktiv` der Angriffe durch Piraten zu erwehren, nicht gering schätzen“, so der Flottillenadmiral. Durch den Einsatz von Feuerlösch- oder Schallkanonen auf Handelsschiffen, durch die Sperrung von Zugängen und Wegen durch Stacheldraht oder Nagelkissen oder die Verbarrikadierung von Schotten und Aufgängen seien in der Vergangenheit Angriffe erfolgreich vereitelt worden.
Die Gefahr, dass Terroristen mit somalischen Freibeutern gemeinsame Sache machen oder deren Methoden übernehmen, sieht Flottillenadmiral Brinkmann derzeit nicht. Für eine Verbindung zwischen Piraterie und Terrorismus gebe es gegenwärtig kein Indiz.
Die MS&D 2009 führt vom 30. September bis 2.Oktober 2009 in den Security- und Defence-Panels der Konferenz auf dem Hamburger Messegelände Sicherheitsexperten aus zahlreichen Marinen und anderen mit der Sicherheit von Häfen und Seewegen befassten Organisationen und Gremien sowie aus Regierungen, Wissenschaft, Handelsschiffahrt und Industrie zusammen. Auf der begleitenden Fachmesse präsentieren Werften und Zulieferer neueste Technologien und Produkte, die auf den internationalen Schifffahrtsrouten größere Sicherheit vor Piratenangriffen und terroristischen Anschlägen versprechen.
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.

