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    GL First Class Exchange Forum: Neuer Beschichtungsstandard zur Diskussion gestellt

    Germanischer Lloyd
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    Hamburg, 28. Juni 2007 - Die Beschichtungsvorgaben für Seewasser-Ballasttanks sind verschärft worden. Um Korrosion vorzubeugen und so die Schiffssicherheit zu erhöhen, hat die "International Maritime Organisation" (IMO) kürzlich den neuen "Performance Standard for Protective Coatings" (PSPC) für Seewasser-Ballasttanks in Schiffsneubauten verabschiedet. Dieser neue Beschichtungsstandard stellt die Schiffsindustrie vor Herausforderungen: Welche Konsequenzen ergeben sich für Werften, Beschichtungshersteller, Applikateure, Klassifikationsgesellschaften und Reedereien? Müssen Fertigungs- und Applikationsmethoden angepasst werden? Wie viel Dokumentationsarbeit muss geleistet werden? Diese und andere Fragen wurden beim Exchange Forum "IMO Performance Standard for Protective Coatings" des Germanischen Lloyd von mehr als 100 Vertretern der maritimen Industrie diskutiert.

    Für die Schiffsindustrie ist es höchste Zeit, sich mit der neuen Richtlinie auseinanderzusetzen: Am 1. Juli 2008 wird sie in Kraft treten wird. Der neue Standard gilt für Seewasser-Ballasttanks in Schiffsneubauten mit mehr als 500 BRZ, unabhängig vom Schiffstyp, sowie für die Doppelhülle von Bulkern mit einer Länge von mindestens 150 m. Verpflichtend gemacht wird der Beschichtungsstandard mit einer Änderung der "Convention of the Safety of Life at Sea" (SOLAS) in der Regulation II-1/3.2. Die Seewasser-Ballasttanks von Tankern und Bulkern mit Vertragslegung am 8. Dezember 2006 oder später, die gemäß der Common Structural Rules gebaut werden, fallen bereits jetzt unter den neuen Beschichtungsstandard. Das erklärte Ziel ist, die Lebensdauer der Beschichtung auf 15 Jahre auszulegen.

    Die strengeren Beschichtungsvorgaben riefen bei allen beteiligten Parteien zunächst gemischte Gefühle hervor. Wer garantiert den geforderten "guten Zustand" der Beschichtung für eine derart lange Zeitspanne? Wie detailliert muss der geforderte Prüfbericht ausfallen? Die Erstellung der Beschichtungsakte, des "Coating Technical File" (CTF), bedeutet zusätzliche Arbeit für Werften, Reedereien und Klassifikationsgesellschaften gleichermaßen. Inwieweit werden die neuen Betriebs- und Instandhaltungsprozesse die Schiffsbaukosten erhöhen und die Neubauzeiten verlängern?

    Das GL First Class Exchange Forum moderierte Daniel Engel, Leiter des Kompetenzzentrums Werkstoffe und Produkte beim Germanischen Lloyd. In seiner Eröffnungspräsentation erläuterte er die bedeutende Rolle, die einer Klassifikationsgesellschaft bei der Anwendung des neuen Standards zukommt. Klassifikationsgesellschaften sind für die Zertifizierung der Beschichtungssysteme, die Überprüfung der Qualifizierung und die stichprobenweise Überwachung der Beschichtungsinspektoren sowie für die Durchsicht von Berichten und des Coating Technical Files (CTF) zuständig.

    Der Beschichtungsstandard PSPC ist im Rahmen der Common Structural Rules des Internationalen Verbands der Klassifikationsgesellschaften (IACS) als verbindlich zu betrachten. Um eine reibungslose Anwendung zu garantieren, hat die IACS das so genannte Procedural Requirement (PR34) herausgegeben. Wartung und Inspektion bleiben nach wie vor die Schlüssel für ein langes Schiffsleben - auch in Bezug auf den Beschichtungszustand. Weitere Maßnahmen der IMO werden deshalb die Entwicklung eines ähnlichen Standards für Leerzellen sowie eines Instandhaltungsstandards sein, so Engel.

    Die praktischen Herausforderungen, die mit dem neuen Standard einhergehen, werden sich erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn die Bauphase der betreffenden Schiffe beginnt. Joachim Becher von Aker Shipyards unterstrich in seiner Präsentation jedoch, dass die Werften sich schon jetzt vorbereiten müssen. Der neue Beschichtungsstandard stelle die Werften vor eine große Herausforderung. Bechers Schlussfolgerung: Der neue Standard trägt dazu bei, die Lebensdauer eines Schiffes zu verlängern; er reduziert außerdem den Aufwand an Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten und erhöht nicht zuletzt auch die Schiffssicherheit. Dennoch werden die Werften mit einem erheblichen Pensum an zusätzlicher Arbeit konfrontiert. Die Arbeiten werden zeitintensiver und somit die Baukosten erhöhen. Becher schloss darüber hinaus den Bau neuer Werkshallen nicht aus, die ideale klimatische Bedingungen für das Aufbringen der Beschichtung garantieren.

    Wie künftig die Vorabprüfungen und Zertifizierungen von Beschichtungssystemen durchzuführen und welche Anforderungen dabei zu erfüllen sind, erläuterte Dr.Theo Reints Bok der niederländischen Firma Sigma Coatings. Dr. Andreas Momber von der Firma Muehlhan unterstrich die Notwendigkeit einer Änderung der Applikations- und Dokumentationsprozesse.

    Thorsten Lohmann, Beschichtungsexperte und Mitarbeitern der Abteilung Werkstoffe und Korrosion beim Germanischen Lloyd, komplettierte die Liste der Redner. Er präsentierte einen Überblick über die Inspektionsanforderungen und Anpassungen der Klassen. Die Klassifikationsgesellschaft wird ein Tool zur Erstellung des CTF anbieten. GL Pegasus, ein Programm zur Erstellung von Berichten zur Dickenmessung, wird auch zur elektronischen Erstellung des CTF bei Neubauten anwendbar sein. In der fahrenden Flotte kann diese Software auch zu Dokumentationszwecken bei nachfolgenden Instandhaltungsarbeiten eingesetzt werden - z. B. zur Illustration des festgestellten Beschichtungszustandes und auftretender Korrosionsstellen. Das Programm, basierend auf einem 3D-Strukturmodell, unterstützt alle Bereiche des Schiffes und bietet Tabellen- und Grafikansichten.

    Lohmann berichtete außerdem über die Möglichkeit, Beschichtungsinspektoren beim GL auszubilden und zu zertifizieren. Bei dem Kompaktseminar, das speziell für die Schiffsindustrie entwickelt wurde, liegt der Schwerpunkt auf praktischen Aspekten bezüglich Korrosion, Beschichtungssystemen, Applikations- und Inspektionsarbeiten. Dieses Seminar ist ein Äquivalent zu den im IMO-Beschichtungsstandard geforderten Lehrgängen NACE und FROSIO, jedoch mit einer Spezialisierung auf die typischen Anwendungen im maritimen Bereich. Die Zustimmung der Flaggenstaaten zu diesem Seminar wird erwartet. Der erste Kurs wird in der Zeit vom 16. bis 22. September 2007 stattfinden.

    Lohmann führte weiter aus, dass die für Seewasser-Ballasttanks angewendeten Beschichtungssysteme gemäß einem im IMO-Beschichtungstandard dargelegten Testverfahren geprüft werden müssen. Derzeit gibt es weltweit nur sehr begrenzte Testeinrichtungen für diesen speziellen Labortest. Von der Industrie werden jedoch Typ geprüfte Produkte benötigt. Aus diesem Grund baut der Germanische Lloyd ein Testlabor für die Vorabprüfungen von Beschichtungssystemen und anschließender GL-Typenzertifizierung auf.

    Aktuelle IMO-Richtlinien, wie der Beschichtungsstandard PSPC, werden auch in dem vom GL herausgegebenen "IMO Pilot 2007" erläutert. Dieses jährlich erscheinende und verständliche Referenzbuch bietet einen Überblick über alle wesentlichen Änderungen im Bereich der technischen und operativen Leistungsanforderungen, die auf den IMO-Tagungen seit 2005 beschlossen wurden. Außerdem enthalten: Ergänzungen der SOLAS-Vorschrift zu Übungen mit Freifallbooten, neue Konzepte für die Sicherheit auf Passagierschiffen, neue Richtlinien bezüglich Feuerschutz auf Kabinenbalkonen sowie Anforderungen für den Schutz von Treibstofftanks.


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