Am 15. November 2007 fand im Rahmen der GMT-Mitgliederversammlung beim Seehafen Verlag in Hamburg eine Vortragsveranstaltung statt zum Thema: Interdisziplinäre Bereiche der Meerestechnik - Grenzen - Einflüsse - Synergien. Die Chefredakteurin von Schiff & Hafen - Frau Dr. Silke Sadowski - war Gastgeberin und moderierte die spannenden Präsentationen und die regen Diskussionen.
Herr Prof. Dr. Uwe Jenisch, seit 2005 Honorarprofessor für Internationales Seerecht an der Universität Kiel, eröffnete die Vortragsreihe mit dem Thema: Meeresböden im Focus, wobei er aus Sicht des Internationalen Seerechts die neuen Festlandsockelansprüche im Hinblick auf den Meeresbergbau und auch den Wettlauf um neue Grenzen der äußeren Festlandsockel, z. B. am Nordpol, in der Antarktis und in weiteren 30 - 40 geographischen Situationen erläuterte. Zur Rolle der Internationalen Meeresbodenbehörde IMB in Jamaica, die ihre Tätigkeiten entfaltet und möglicherweise neue Aufgaben übernehmen möchte, referierte Herr Prof. Dr. Jenisch ebenso wie zu Rechtsfragen der geplanten, aber auch umstrittenen, Ostseepipeline.
Im Vortrag Künstliche Intelligenz und Robotik zeigte Dr. Jan Albiez vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen den Stand der Entwicklungen und Anwendungspotentiale in der Tiefwassertechnik auf. Der Einsatz von Methoden der künstlichen Intelligenz im Bereich der Meerestechnik, insbesondere bei der Entwicklung von autonomen oder teil-autonomen Systemen ist eine Notwendigkeit, wenn das Wissen über die Ozeane erweitern und den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee vorangetrieben werden soll. Erst die Weiterentwicklung der Autonomie von Unterwassersystemen und damit die Entlastung von menschlichen Operatoren wird es ermöglichen in den Meeren effizient arbeiten zu können. Der Einsatz von Methoden der künstlichen Intelligenz im Bereich der Meerestechnik lässt sich grob in die Felder erweiterte Telepräsenz für Operatoren, teil-autonome Systeme und voll-autonome Roboter einteilen. Gerade der Bereich der Telepräsenz bietet schon sehr kurzfristig ein hohes Potential. Die Steuerung von ROVs kann deutlich verbessert und damit ihre Leistungsfähigkeit erhöht werden, wenn die Aufbereitung der Daten und die Schnittstelle zum Operator den kontrollierenden Menschen ins Zentrum rückt.
Der Vortrag von Herrn Dr. Walter Kühnlein (HSVA Hamburg) Erdölexploration im nördlichen Kaspischen Meer stand unter der Fragestellung "Bohren in 4 m Wassertiefe eine Herausforderung?" und stellte damit das "North Caspian Project" vor. Dort wird die erste Ölbohrexploration im nördlichen Kaspischen Meer realisiert, dem größten Interkontinentalbecken der Welt. Besonders der östliche Teil des nördlichen Kaspischen Meeres ist mit einer mittleren Tiefe von nur 3.3 m extrem flach. Für die erste Phase der Erdölexploration wurde deshalb eine Bohrplattform basierend auf einer auf dem Boden abzusetzenden Barge gewählt. Die Bohrplattform Sunkar (Parker Rig 257), die der amerikanischen Erdölbohrfirma Parker Drilling gehört, und für AGIPKCO (Agip Kazakhstan North Caspian Operating Company N.V.), früher OKIOC, ein Zusammenschluss 10 führender Ölgesellschaften, operiert, wurde speziell entwickelt, um den extremen Eiskräften und den hohen Ölreservoirdrücken von bis zu 1000 bar standhalten zu können. Darüber hinaus ist das Öl mit einem sehr hohen Anteil des hochgiftigen und korrosiven Schwefelwasserstoffes (bis zu 40%) versetzt und stellt somit ebenfalls eine Herausforderung für die Ingenieure dar. Da die Bohrarbeiten in einem Naturschutzgebiet stattfinden, wurden die höchstmöglichen Ingenieurstandards angewandt. Das Bohrprogramm startete 1999 und die Bohrungen wurden bis auf eine Tiefe von bis zu 6000 m abgeteuft. Tests von diesen Ölquellen bestätigten eine Ölreserve von 50 bis 70 Milliarden Barrel Öl (ca. 10 Milliarden m³ Öl). Ab dem Jahr 2014 soll dieses Projekt täglich zirka zwei Millionen Barrel Öl fördern. Neben den technischen Details erläuterte Herr Dr. Kühnlein auch die politischen Risiken und zeigte auf, dass deren Lösung unabdingbar für den Erfolg des "North Caspian Projects" ist.
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