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IMB veröffentlicht Quartalsbericht - Piraten werden immer dreister und gewalttätiger

 
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LONDON (14. Juli 2011) – Die Angriffe von Piraten auf hoher See haben im ersten Halbjahr 2011 weiter zugenommen. Wie das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) heute in seinem Quartalsbericht mitteilte, gab es weltweit 266 Piratenüberfälle. Von Januar bis Juni 2010 waren es nur 196 gewesen.

Mehr als die Hälfte der Überfälle geht allein auf das Konto somalischer Piraten (163). Ende Juni 2011 waren 20 Schiffe und 420 Besatzungsmitglieder in den Händen somalischer Piraten, die für die Freilassung Lösegeld in Höhe von mehreren Millionen USDollar fordern. Somalische Piraten nahmen 361 Seefahrer als Geiseln und entführten 17 Seeleute im ersten Halbjahr 2011. Weltweit wurden insgesamt 495 Seefahrer als Geiseln genommen.

„In den letzten sechs Monaten attackierten somalische Piraten nicht nur mehr Schiffe als je zuvor, sie gehen mittlerweile auch höhere Risiken ein“, sagte IMB-Direktor Pottengal Mukundan. Im Juni feuerten Piraten erstmals auf Schiffe bei hohem Seegang im Indischen Ozean. Laut Mukundan hätten sich die Piraten in der Monsunzeit bislang nicht vorgewagt.

Der Großteil der Angriffe im ersten Halbjahr ereignete sich östlich und nordöstlich vom Golf von Aden. Das ist ein Gebiet, das besonders von Öltankern und anderen Schiffen durchfahren wird, die vom Arabischen Golf kommen und in den Golf von Aden einlaufen wollen. Seit dem 20. Mai wurden 14 Schiffe im südlichen Roten Meer angegriffen. „Für die Fahrt durch dieses Gebiet sind geeignete Schutzmaßnahmen dringend erforderlich“, betonte Mukundan.

Der IMB-Bericht verweist aber auch darauf, dass die Zahl der Angriffe somalischer Piraten zwar zunehme, diese aber in den ersten sechs Monaten 2011 nur in 21 von 163 Fällen erfolgreich gewesen seien. Im Vergleichszeitraum 2010 war es ihnen noch gelungen, bei 100 Überfallen 27 Schiffe zu entführen. Das IMB führt den Rückgang auf die erhöhten Schutzmaßnahmen an Bord der Schiffe und die gestiegene Militärpräsenz vor der Ostküste Afrikas zurück.

Die Schiffe, darunter Öl- und Chemikalientanker, werden mehr und mehr mit automatischen Schnellfeuerwaffen und Panzerfäusten angegriffen. Noch vor fünf Jahren benutzten die Piraten eher Messer als Waffen; dieses Jahr wurden bei 160 Angriffen Schusswaffen verwendet, Messer kamen in 35 Angriffen zum Einsatz.

Laut IMB ist die afrikanische Westküste in diesem Jahr vermehrt von besonders gewalttätigen und organisierten Angriffen betroffen. Seit März 2011 gab es 12 Angriffe auf Tanker vor der Küste Benins, einem Gebiet, in dem noch 2010 keine Vorkommnisse vermeldet wurden. Fünf Schiffe wurden gekapert und gezwungen, unbekannte Orte anzusteuern. Dort plünderten und entwendeten die Piraten die Schiffsausrüstungen; zum Teil stahlen sie auch die Ölfracht der Tanker. Weitere sechs Tanker wurden geentert, vornehmlich in gewalttätigen bewaffneten Überfällen; auch über einen gescheiterten Angriffsversuch wurde berichtet.

Im benachbarten Nigeria gelangten laut Bericht des IMB Piraten auf drei Schiffe, zwei Schiffe wurden beschossen; auch von einem versuchten Angriff wurde berichtet. Die Besatzungsmitglieder wurden geschlagen und bedroht. Die Schiffausrüstung und persönliche Gegenstände der Besatzung wurden gestohlen. Dem IMB zufolge sind die Gewässer um Nigeria jedoch gefährlicher als die offiziellen Berichte vermuten lassen. Das IMB weiß von mindestens elf weiteren Vorfällen, die seinem Piracy Reporting Centre seitens der Schiffskapitäne oder Eigner nicht gemeldet wurden.

Für Indonesien, Malaysia, die Singapur-Straße und das südchinesische Meer wurden im ersten Halbjahr 2011 insgesamt 50 Vorfälle gemeldet. Bewaffneten Piraten gelang es, drei Schlepper zu kapern und 41 Schiffe zu entern.

Ende Mai 2011 hat die ICC den Handlungsaufruf „Call for Action on Piracy“ veröffentlicht. Darin fordert die ICC die Regierungen weltweit auf, entschlossen gegen die zunehmenden Piratenangriffe vor der somalischen Küste vorzugehen und drängt diese, umgehend die Rules of Engagement für die Seestreitkräfte vor Ort nachzubessern. Darüber hinaus müsse sich die Aufmerksamkeit der UN und anderer internationaler Organisationen auf den Aufbau von solchen Institutionen in Süd-Zentral-Somalia richten, die die wirtschaftliche, gesundheitliche und soziale Lage der Bevölkerung verbessern helfen. Außerdem müssen die Regierungen nach Auffassung der ICC dafür sorgen, dass der Piraterie verdächtige Personen rasch vor Gericht gestellt und nicht nach Somalia zurückgeschickt werden, ohne für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Mehr als 20 CEOs internationaler Schifffahrts- und Handelsunternehmen haben diesen Aufruf der ICC unterzeichnet. Das IMB ist eine Spezialeinheit der Internationalen Handelskammer (ICC). Das zum IMB gehörende Piracy Reporting Centre (PRC) ist führend im Kampf gegen die Seepiraterie. Es ist die weltweit einzige Einrichtung, die rund um die Uhr Berichte über Piraterievorfälle erhält und verarbeitet. Das IMB fordert alle Kapitäne und Schiffseigner auf, alle tatsächlichen, versuchten und mutmaßlichen Vorfälle von Piraterie und bewaffnete Angriffe an das IMB Piracy Reporting Centre zu melden. Dies ist unerlässlich, um Behörden von der Dringlichkeit des Piraterieproblems zu überzeugen. Dabei können die transparenten Statistiken einer unabhängigen, nicht politischen internationalen Organisation wie der ICC als Katalysator für die Behebung dieses Problems dienen.

Der Report kann angefordert werden über http://www.iccccs. org/requestreport. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich alle Vorfälle auf der IMB-Pirateriekarte genau anzeigen zu lassen: http://www.icc-ccs.org/livepiracymap

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