Dem International Maritime Bureau in London (IMB) wurden in 2010 weltweit 445 Überfälle gemeldet. Weltweit wurden 2010 1.181 Seeleute während der Entführung ihres Schiffes als Geiseln genommen (2008: 889 und 2009: 1050) dazu wurden 20 Seeleute vor Nigeria bzw. Kamerun von ihren Schiffen ins Binnenland entführt. Erstaunlich gering die Zahl der getöteten Seeleute: Das IMB weist in seinem Jahresbericht 8 als getötet aus und 37 als verletzt (der Bericht ist als PDF-Datei kostenfrei bestellbar unter http://www.iccccs. org/). Deutsch bereederte Schiffe waren 69 mal von Piratenattacken betroffen.
Asien
Die verschiedenen altbekannten asiatischen Hotspots gibt es immer noch, aber mit deutlich geringeren Überfallzahlen als vor zehn Jahren, in Summe 142. Prominentestes Beispiel für die erfolgreiche Verringerung der Piraterie ist die Malakka- Straße. Die verheerende Flutwelle vom 26. Dezember 2004 brachte die kriminellen Aktivitäten in der Malakka-Straße für zwei Monate völlig zum Erliegen. Seither hat die Piraterie dort nicht mehr die Intensität der Jahre bis 2004 erreicht. Die Malakka-Straße (inkl. Singapur Straße) verzeichnete 2008 nur noch 8 Überfälle, 2009 wieder 11 und 2010 nur 5 Angriffe (Höchststand 80 Überfälle in 2000). Das IMB schreibt dies den intensiveren und zunehmend koordinierten Patrouillen der maritimen Sicherheitskräfte Singapurs, Malaysias und Indonesiens zu. Grundlage der Zusammenarbeit ist das »Regional Cooperation Agreement on Combating Piracy and Armed Robbery against Ships in Asia«, das 2005 unterzeichnet und seither umgesetzt wurde. Aufmerksamkeit verdient aber die Entwicklung im Südchinesischen Meer, dort schnellte die Zahl der registrierten Überfälle hoch: von 13 in 2009 auf 31 in 2010. Noch heftiger der Anstieg der Zahlen im indonesischen Archipel: von 15 in 2009 auf 40 in 2010.
Nigeria
Wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhält die Piraterie vor Nigeria mit ihrem Schwerpunkt in der Umgebung des Hafens von Lagos. Doch nirgendwo sonst arbeiten die Täter mit einem vergleichbaren Gewalteinsatz, den Hintergrund der Piraterie an Nigerias Küste bilden gewaltsame Ausein andersetzungen im Inneren des Landes. Immerhin gehen die Zahlen zurück.
19 Überfälle wurden 2010 registriert (2009: 29; 2008: 40), dabei sind 15 Seeleute verletzt worden. Insgesamt 13 Fahrzeuge wurden geentert, meist wurden leicht bewegliche Güter geraubt, 17 Seeleute wurden zwecks Lösegelderpressung entführt.
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