Kuala Lumpur/Berlin, 15. Juli 2009 ‑ Piratenüberfälle haben sich in der ersten Jahreshälfte 2009 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2008 weltweit mehr als verdoppelt. Ihre Zahl stieg von 114 auf 240, teilte das International Maritime Bureau mit, das zur Internationalen Handelskammer (ICC) gehört.
“Genau wie im letzten Quartalsbericht ist die Zunahme nahezu vollständig auf die gestiegenen Piraterieaktivitäten im Golf von Aden (86 Fälle) und der Ostküste Somalias (44 Vorfällen) zurückzuführen“, so der Bericht.
Im zweiten Quartal 2009 vermeldet der Report 136 Überfälle ‑ während es in den ersten drei Monaten des Jahres noch 104 Vorfälle waren. Die Zahl der Angriffe hat sich somit um ein Drittel erhöht.
Ingesamt wurden weltweit 78 Schiffe geentert, 75 beschossen und 31 entführt. Dabei wurden 561 Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen, 19 verletzt, 7 entführt, sechs getötet. Acht Seeleute werden vermisst. Die Piraten greifen in der überwiegenden Zahl der Fälle mit schweren Schuss- und Stichwaffen an: “Die Gewalt gegenüber der Besatzung nimmt weiter zu”, so der Bericht.
Gleichwohl machen die Marineeinheiten verschiedener Länder im Golf von Aden es den Piraten zunehmend schwer, Schiffe zu entführen. Daher weichen diese auf andere Operationsgebiete aus wie den südlichen Teil des Roten Meeres und die Ostküste des Omans, wo sich jüngst eine ganze Serie von Piratenüberfällen ereignet hat.
Der Report berichtet, dass sich die Zahl der Vorfälle an der Ostküste Somalias ‑ nachdem sie im März und April einen Höhepunkt erreicht hatte ‑ in den letzten Monaten verringert hat. So wurde im Juni von dort kein einziger Vorfall gemeldet. Das Piracy Reporting Center führt den Rückgang jedoch im Wesentlichen auf schlechtes Wetter in Folge des Monsunregens zurück, der bis in den August vermutlich anhalten wird. Daher sollte in diesem Gebiet die Alarmbereitschaft nicht nachlassen.
Auch Nigeria bleibt eine Hochrisikoregion. Von dort wurden dem IMB im zweiten Quartal 2009 13 Vorfälle gemeldet. Zudem gab es Berichte über mindestens 24 weitere Angriffe, die dem IMB nicht direkt gemeldet wurden.
“Die Mehrzahl der Angriffe erfolgte auf Schiffe, die die Ölindustrie unterstützen”, sagte IMB Direktor Pottengal Mukundan. “Es ist dringend notwendig, dass jeder Vorfall gemeldet und den nigerianischen Behörden zur Kenntnis gebracht wird. Dies ist die einzige Möglichkeit, um das tatsächliche Risiko, das in dieser Region herrscht, zu ermitteln und Reedern, Schiffseignern und Händlern exakte Hinweise geben zu können“.
Angriffe in Südostasien und dem Fernen Osten nahmen um 100 Prozent zu, sie stiegen von 10 Fällen im ersten Quartal auf 21 im zweiten Quartal 2009 an. Sie bestätigen damit einen Trend aus dem Jahr 2008, mit dem Unterschied, dass die Überfälle im ersten Quartal auf vor Anker liegende Schiffe erfolgten, während im zweiten Quartal vor allem Angriffe auf Schiffe zur See erfolgten.
“Dies ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass Piraterie und Raubüberfälle in Südost- und Ostasien das Potential haben zu eskalieren. Die Kapitäne sollten wachsam bleiben und sich ständig der Gefahren bewusst sein, die der Seeweg und die Transithäfen mit sich bringen”, sagte Kapitän Mukundan.
Zwei Vorfälle wurden 2009 aus der Straße von Malakka gemeldet, davon jedoch keiner im zweiten Quartal. In Indonesien gab es im zweiten Quartal nur zwei Angriffe, während im Vergleichszeitraum 2008 noch sechs Vorfälle verzeichnet worden waren. „Die fortgesetzten Bemühungen der indonesischen Behörden haben dazu geführt, dass Piraterie und bewaffneter Raub in ihren Gewässern abgenommen haben“, sagt der Report.
“Unabhängig vom Ort ist die verbesserte Meldung von Vorfällen an eine unabhängige Organisation wie das IMB das zentrale Instrument, um die Hot Spots der Piraterie weltweit zu identifizieren”, sagte Kapitän Mukundan. “Nur wenn das Bewusstsein erhöht und Regierungen und Durchsetzungsbehörden umfassende Berichte zur Verfügung gestellt werden, können die notwendigen Kräfte bereitgestellt werden, um angemessen auf Piraterie zu reagieren”.
Der Report kann elektronisch angefordert werden:
http://www.icc-ccs.org.uk/prc/piracy_rep_app.php.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich alle Vorfälle 2009 auf der IMB Pirateriekarte genau anzeigen zu lassen.
Das IMB, mit seinem Piracy Reporting Centre in Kuala Lumpur, gehört zu den in London ansässigen ICC Commercial Crime Services, einer Spezialeinheit der Internationalen Handelskammer. Weitere Informationen:
Captain Pottengal Mukundan, Director
ICC International Maritime Bureau (IMB)
Tel: +44 20 7423 6960
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.