IMDS - mit substanzieller deutscher Beteiligung internationale Maritime Defence Show zum 5. Mal in St. Petersburg
Insgesamt mehr als 40 Kampfschiffe, U-Boote und Wasserflugzeuge der russischen Marine und des Küstenschutzes lagen in der Newabucht vor Anker, darunter auch die brandneue Korvette sooBrasitelny, mit der zum ersten Mal einem breiteren Publikum ein Schiff des Projekts 20380 vorgestellt wurde. Drei NATO-Einheiten waren zu Gast auf der IMDS 2011: die US-Fregatte Carr und die niederländische Fregatte VanaMstel. »Es ist uns sehr wichtig, dass die potenziellen Auftraggeber sich nicht nur mit der gesamten Exportpalette vertraut machen, sondern auch einige Muster in Lebensgröße zu sehen bekommen«, sagte Marinesprecher Oleg Asisow. Ihm zufolge nimmt die Nachfrage nach kleineren Einheiten, wie Korvetten, Patrouillen- und Raketenbooten weltweit zu, weil viele Staaten verstärkt die Betriebskosten der Einheiten berücksichtigen müssen, die ihre Wirtschaftszonen mit diesen Fahrzeugen schützen.
Die Organisatoren konnten 45 offizielle Delegationen aus 39 Staaten auf dem Messegelände begrüßen. Deutschland war durch die Teilnahme des Geschäftsführenden Beamten der Hauptabteilung Rüstung aus dem BMVg, Ministerialdirigent Thomas Wardecki und den Besuch des Stellvertretenden Amtschef des Marineamtes, Flottillenadmiral Jürgen Mannhardt, als Vertreter der Deutschen Marine, repräsentiert. Während der Messe wurden auch Demonstrationsschießen von Marineartilleriesystemen durchgeführt. Im Himmel über dem Finnischen Meerbusen führten Kunstf liegerstaffeln ihr Können vor, neben Schauf lügen von Hubschraubern und Drohnen.
Die Marinemesse findet in Sankt Petersburg seit 2003 jedes zweite Jahr statt. Während ihres inzwischen achtjährigen Bestehens hat sich die Petersburger Messe zu einer der größten maritimen Ausstellungen weltweit entwickelt. Die Messe unterscheidet sich von anderen, ähnlichen Ausstellungen dadurch, dass sie Erzeugnisse militärischer und ziviler Zweckbestimmung von russischen und ausländischen Unternehmen unter einem Dach vereint. Die Produktpalette der Messe erstreckt sich von Schiff bau und Waffensystemen über neue Technologien und Materialien bis hin zu Elektronik und Kommunikationstechnologien. Genau hier finden die Teilnehmer aus der deutschen Industrie ganz offensichtlich erfolgreiche Geschäftsmodelle, nämlich in der Kombination von zivilen und militärischen Anwendungsmöglichkeiten. In einem Gespräch mit dem für den Vertrieb von Marinekommunikationssystemen verantwortlichen Mitarbeiter der Firma Rhode & Schwarz, Alexander Bauch, führte dieser aus, dass der Schwerpunkt seines Unternehmens auf der Vertiefung bereits vorhandener bzw. der Herstellung neuer ergänzender Geschäftskontakte mit russischen Konstruktionsbüros, Werften und Vertretern der Endkunden sei. Ziel ist es, russische Plattformen mit Rhode & Schwarz Funkkommunikationsgeräten auszustatten. Dieses einfach zu formulierende Ziel in erfolgreiche Projekte mit staatlichen russischen Stellen und Betrieben umzusetzen, ist allerdings eine andere Sache. Für die deutsche Industrie ergeben sich vor allem positive Entwicklungen ihrer Geschäftstätigkeit, wenn sie die in Russland – manchmal extrem langwierigen – üblichen staatlich kontrollierten Verfahrensweisen von vornherein in ihre Tätigkeiten einschließen und damit die Eigenheiten des Landes möglichst umfassend berücksichtigen. Nach übereinstimmender Meinung der Firmenvertreter gehört dazu auch, eine ständige Repräsentanz der Firmen in Moskau aufzubauen und zu unterhalten, damit der Kontakt mit dem zukünftigen Kunden intensiv gepf legt werden kann. Das könne für manchen deutschen Industrievertreter manchmal zu Frustrationen führen, aber langfristig zahle sich diese Vorgehensweise aus. Eine ganz ähnliche Einschätzung des russischen Marktes hatten auch die Vertreter der Motoren und Turbinen Union (MTU), die unter dem Logo von MTU ihren Stand betrieben. Im Schwerpunkt wurden dort natürlich die – auch in der Deutschen Marine verwendeten – unterschiedlichen Motoren der MTU vorgestellt, die vor allem im zivilen Bereich, aber inzwischen auch auf Schiffen und Booten von staatlichen russischen Organisationen Verwendung finden. Großes Interesse der Besucher fand auch das neue, integrierte Schiffsautomationssystem der MTU »Callosum«. Dieses System ermöglicht das Überwachen der gesamten Antriebsanlage, der Bordstromversorgung sowie des kompletten Schiffes und soll wesentlich den Betriebskomfort und die Sicherheit des Schiffes verbessern. Messdaten aus allen Schiffsbereichen werden dazu mit dem System erfasst und können, visualisiert an Farbbildschirmen, direkt am Fahrstand und auf weiteren Monitoren abgerufen werden. Im Einsatz erhält die Besatzung dadurch einen aktuellen und schnellen Überblick über die Schadenslage ihres Schiffes.
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