ICC: Jahreszahlen Seepiraterie 2008 - Zahl der Piratenüberfälle 2008 dramatisch gestiegen ‑ Auch im Januar 2009 keine Besserung in Sicht
Berlin, 19. Januar 2009 ‑ Die aktuellen Jahreszahlen 2008 zeigen den bislang stärksten Anstieg bei Piraterieübergriffen überhaupt. Dies teilte das International Maritime Bureau (IMB), eine Organisationseinheit der Internationalen Handelskammer (ICC), mit. Ingesamt wurden weltweit 293 Schiffe überfallen. Das ist der höchste Wert, seitdem das IMB Piracy Reporting Centre (PRC) 1991 erstmals mit der Erhebung der Zahlen begann.
Auch die Anzahl der Schiffsentwendungen stieg drastisch an. 2008 wurden 49 Schiffe entführt, der Vergleichswert für den Vorjahreszeitraum betrug 18. Die Piraten nahmen insgesamt 889 Besatzungsmitglieder als Geiseln. Bei den Überfällen wurden 32 Seeleute verletzt und 11 getötet, 21 weitere gelten als vermisst. Schusswaffen kamen in 139 Fällen zum Einsatz, 2007 lag der Wert noch bei 72.
Insgesamt gab es 2008 weltweit 293 Piratenüberfälle. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von 11 Prozent. Damals wurden 263 Übergriffe verzeichnet. Die hohe Anzahl kann auf die Situation im Golf von Aden und vor der Ostküste Somalias zurückgeführt werden. Dort alleine kam es im vergangenen Jahr zu 111 Angriffen. Im Oktober und November wurden für dieses Gebiet 15 bzw. 16 Schiffsüberfälle gemeldet. Dies ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Zunahme um fast 200 Prozent. Dabei gelang es den Piraten auch, den bislang größten Tanker überhaupt in ihre Gewalt zu bringen. Zudem waren die Piraten im Vergleich zu den Vorjahren stärker bewaffnet und gingen brutaler vor.
“Wir begrüßen die aktuellen Bemühungen, das Piraterieproblem vor den Küsten Somalias zu lösen. Es ist wichtig, dass viele Regierungen damit fortfahren, weitere Ressourcen in der Region bereitzustellen“, sagte Kapitän Pottengal Mukundan, Direktor des International Maritime Bureaus der ICC. Bereits für die erste Januarhälfte 2009 seien von dort aus weitere 14 Vorfälle gemeldet worden. „Nur die Marineeinheiten der verschiedenen Staaten sind in der Lage, effektiv auf die Pirateriebedrohung zu antworten und die Sicherheit der maritimen Handelsroute wieder herzustellen”.
Nigeria stand im vergangenen Jahr mit 40 Vorfällen auf Platz 2. Dabei wurden 27 Schiffe geentert und fünf entführt. Ingesamt nahmen die Piraten 39 Seeleute als Geisel. Das Piracy Reporting Centre berichtet zusätzlich von fast 100 unbestätigten Überfällen. Die Nicht-Meldung von Angriffen in den nigerianischen Gewässern wird vom IBM mit großer Besorgnis gesehen.
Positiv zu vermelden ist, dass sich die Seepiraterie in anderen Regionen der Welt vermindert hat. “Indonesien gilt ein besonderer Dank für die nachhaltigen Bemühungen, der Piraterie und bewaffneten Überfällen in den Gewässern Einhalt zu gebieten“, sagte Mukundan. “2003 wurden dort noch 121 Übergriffe gemeldet. Von Jahr zu Jahr hat sich die Anzahl auf nur noch 28 Vorfälle in 2008 verringert. Dabei waren die meisten Übergriffe von minderer Schwere”.
Auch aus der Straße von Malakka konnte ein Rückgang der Vorfälle gemeldet werden. Dort gab es 2008 lediglich 2 Überfälle. Diese Abnahme kann auf die erhöhte Wachsamkeit und Patrouillefahrten der angrenzenden Küstenstaaten sowie die Vorsichtmaßnahmen an Bord der Schiffe zurückgeführt werden.
Das IMB ruft alle Kapitäne und Schiffseigner dazu auf, dem Piracy Reporting Center jeden Angriff zu melden. Dies ist eine wichtige Grundlage dafür, ein akkurates Bild der Bedrohungslage zu erhalten und so bei Regierungen auf mehr Kapazitäten im Kampf gegen die Seepiraterie zu dringen.
Der Jahresbericht 2008 kann beim IMB kostenlos angefordert werden: www.icc-ccs.org
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