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    Training auf einem virtuellen Schiff

    Jürgen E. Kratzmann
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    k. A.
    Beschreibung

    TKMS Blohm + Voss Nordseewerke, ein Unternehmen von ThyssenKrupp Marine Systems, entwickelt ein neues System zur Ausbildung von Besatzungen. Das System nennt sich »Virtual Ship Training and Information System (ViSTIS®)«.
    Ein Helikopter befindet sich im Anflug auf eine Fregatte. Dann geht alles ganz schnell: Kurz vor der Landung sackt der Helikopter plötzlich ab, schlägt auf dem Flugdeck auf und fängt Feuer. Flammen schlagen empor, Menschen rufen Befehle. Überall liegen brennende Teile und erschweren die Löscharbeiten des Brandabwehrtrupps.Was wie ein Unglücksszenario auf Hoher See aussieht, findet in Wahrheit an Land statt: Ein Besatzungsmitglied einer Fregatte sitzt vor einem Computer und führt innerhalb eines virtuellen Teamtrainings einen Brandabwehrtrupp über das detailgetreu dargestellte, fotorealistische Flugdeck. Der Pilot befindet sich in einem eigenen Helikoptersimulator. Sein Landemanöver auf der virtuellen Fregatte ist nicht geglückt, die Besatzung ist zum Eingreifen gezwungen. Das Trainingsszenario hat sich von einem einfachen Routinemanöver zu einem Katastrophenfall entwickelt. Alles geschieht so, als ob es in der Realität ablaufen würde, nur ohne jeden Schaden für Mensch und Material.
    So oder so ähnlich könnte die zukünftige Ausbildung von Schiffsbesatzungen im derzeit entstehenden Trainingssystem ViSTIS® aussehen.Mit dem System soll eine Antwort auf die Herausforderung gefunden werden, mit der sich heute die meisten Marinen konfrontiert sehen: Trotz knapper Ressourcen müssen immer noch große Ausbildungsanteile an Bord der Einheiten durchgeführt werden.Eine in weiten Teilen vereinheitlichte, landgestützte Trainingsumgebung, um den größten Teil der für eine Besatzung anfallenden Aufgaben und auftretenden Situationen kostengünstig ausbilden zu können, ist bisher nicht vorhanden. Damit ist eine Teamausbildung der gesamten Besatzung bisher auch nur auf einem Originalschiff möglich. ViSTIS® soll hier in Teilbereichen durch Ausbildung auf einem »virtuellen Schiff« Abhilfe schaffen.
    Mit dem System soll gleichzeitig Antwort auf eine weitere Herausforderung gegeben werden: Moderne Waffensysteme werden immer komplexer bei gleichzeitiger Reduzierung der Besatzungen. Damit steigen die Anforderungen an das einzelne Besatzungsmitglied. Mit ViSTIS® lassen sich sowohl Routineaufgaben als auch Not- und Gefechtssituationen realistisch ausbilden. Damit können Ausbildungszeiten auf den »realen« Einheiten reduziert werden, weil die Besatzung ihr »Schiff« bereits kennt und auf ihre Aufgaben an Bord vorbereitet wurde. Durch die Entlastung der Einheiten von reinen Trainingsaufgaben wird ihr eigentlicher Verwendungszweck, der Einsatz, gestärkt. Gleichzeitig wird das Material weniger beansprucht,wodurch der Materialerhaltungsaufwand verringert werden kann.
    Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass mit dem System nicht nur Verfahren und Kommunikationsprozesse ausgebildet werden können, sondern es kann auch Stress aufgebaut werden, um Entscheidungsfindungen der Führungskräfte unter psychischem Druck zu schulen. Längerfristig werden noch weitere Einsatzmöglichkeiten für ViSTIS® gesehen. Die Systemarchitektur orientiert sich an den modernsten zivilen und militärischen Standards, das flexible Softwarekonzept erlaubt einen Einsatz auch in anderen Teilstreitkräften. Forderungen nach streitkräfteübergreifenden Softwarelösungen wird das System gerecht. Modularer Aufbau und Skalierbarkeit sollen die Durchführung von virtuellen Joint- and Combined Forces Operations erlauben.



    Quelle: MARINEFORUM 5-2009
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    Autor
    • Jürgen E. Kratzmann
      Flottillenadmiral a.D. Jürgen E. Kratzmann

      - 10/2001 bis 05/2008 UAL Rü VII (Ausrüstung und Technologie See) der HA Rü im BMVg, Bonn - 08/2000 bis 03/2001 Leiter AG Logistik (Streitkräftebasis), Bonn. - 2000 Admiral Marinelogistik im Marineunterstützungskommando, Wilhelmshaven. - 1996 RefLtr Fü M III 4 (Planung) im BMVg, , Bonn. - 1995 AbtLtr Material im...

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