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    Selbstheilende Beschichtungssysteme ‑ ein Überblick

     
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    KORROSIONSSCHUTZ Auf Aktivpigmenten basierende so genannte „selbstheilende“ Beschichtungssysteme bieten neue Ansatzmöglichkeiten für eine Verbesserung des Korrosionsschutzes

    Die Korrosionskosten in entwickelten Nationen erreichen allgemeinen Schätzungen zufolge ca. sechs Prozent des Bruttosozialproduktes und verteilen sich in etwa zu gleichen Teilen auf direkte und indirekte Kosten. Beschichten stellt mit 90 Prozent der Korrosionsschutzkosten die hauptsächliche Schutzmaßnahme dar.
    Leider muss akzeptiert werden, dass kein ewig lang wirksamer Korrosionsschutz von thermodynamisch nicht stabilen, niedrig legierten Stählen möglich ist. Grundsätzlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis unter einer gegebenen atmosphärischen Belastung bei Beschichtungen irreversible Wasseraufnahme, Blasenbildung, Delamination, Rissbildung und schließlich Korrosionsprodukte des Substrates sichtbar werden. Abb. 1 zeigt das "Endstadium" eines Beschichtungsversagens.
    Zur Verlängerung der Schutzdauer von Beschichtungen gegen korrosive Medien werden seit vielen Jahrzehnten spezielle Pigmente, sogenannte Aktivpigmente, in die Grundbeschichtungsmaterialien eingebracht. Altbekannt sind die seit geraumer Zeit wegen ihrer Giftigkeit und Umweltgefährdung verbotenen Pigmente aus Bleimennige und Zinkchromat. Zu deren umweltfreundlicherem Ersatz wurden zahlreiche neuere Aktivpigmente entwickelt.
    Nachdem einige Jahre recht wenige grundlegende wissenschaftliche Arbeiten zum Thema aktiv wirksamer Korrosionsschutzpigmente erschienen sind, finden gegenwärtig mehrere Projekte statt, die sich mit der Erforschung und Entwicklung von Aktivpigmenten beschäftigen. Diese Projekte werden meist von multidisziplinären Konsortien betrieben - das wohl größte in diesem Zusammenhang ist das gerade im 7. EU-Rahmenprogramm begonnene EU-Projekt mit dem Akronym MUST.
    Diese neuen Projekte benutzen alle den Begriff "selfhealing" und die Arbeitsprogramme beinhalten nanotechnologische Methoden zur Herstellung neuartiger Substanzen mit oft mehreren Ansatzmöglichkeiten und Wirkmechanismen für einen gesteigerten Korrosionsschutz. Diese Projekte suchen auch nach technisch verbesserten und wirtschaftlich erfolgreichen Ersatzlösungen für Chrom-VI-Vorbehandlungen in OEM-Anwendungen der Automobil- und Flugzeugindustrie. Der klassische "schwere" Korrosionsschutz ist meist nur ein untergeordnetes Ziel für Verbesserungen, da die hier erzielbaren Deckungsbeiträge den Einsatz von teuren Rohstoffen noch nicht rechtfertigen.
    Ältere und neue Aktivpigmente greifen, wie es der Ausdruck nahe legt, aktiv in den Korrosionsvorgang ein. Sie bilden entweder Schutzschichten aus, verschließen Verletzungen, fangen Korrosionsstimulatoren ab oder verdrängen Wasser durch die Freisetzung von hydrophoben Substanzen. Zinkstaub in Zinkstaubgrundierungen besitzt mehrere Wirkmechanismen, die jedoch nicht richtig mit den hier genannten beschrieben werden können. In den folgenden Abschnitten werden einige dieser Mechanismen näher diskutiert.
    Die Wirkzusammenhänge dieser Pigmente sind allerdings komplex und häufig bis heute nicht schlüssig aufgeklärt, obwohl ganz griffige Modellvorstellungen postuliert sind. Ein gewisser Teil der Komplexität stammt aus der Vielzahl von Korrosionserscheinungen oder wird zumindest von diesen stark mit beeinflusst.



    Quelle: Schiff & Hafen | August 2009 | Nr. 8
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