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Schiffsentführungen sind vermeidbar!

Schiffsentführungen sind vermeidbar!
Herausgebende Organisation
Kompetenz - Index
Online seit
27.11.2009
Aktualisiert am
7.4.2010
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Schiffsentführungen sind vermeidbar!
Abstract / Inhalt:

In einer hervorragenden Zusammenfassung unter dem Titel »Schiffsentführungen sind vermeidbar!« beschreibt Fregattenkapitän Andreas Uhl (MF 10/2009 S. 18-20) das gesamte Dilemma der bedrohten Handelsschifffahrt auf den Routen im Indischen Ozean, das Ergebnis der bisher getroffenen Maßnahmen (Operation Atalanta) und die noch ungeklärten Fragen. Die Lage der Piraterie vor der ostafrikanischen Küste hat sich mit dem Ende des Monsuns seit der Abfassung des Artikels von Uhl weiter verschärft, wie die tägliche Presseauswertung einem eindeutig vor Augen führt. Andreas Uhl hat jedoch ‑ in der verständlichen Zurückhaltung, die einem aktiven Soldaten geboten erscheint ‑ etwas zu früh mit seiner Beschreibung zur Lösung der Probleme geendet.

Ich mache dies an zwei Kernsätzen aus seinem Artikel fest (Zitat Uhl): »… es erscheint offensichtlich,wie die Entführungen bereits in der Planungsphase hätten verhindert werden können … und trotzdem gibt es in Deutschland keine zentrale Ansprechstelle für die Sicherheit der Handelsschifffahrt.… Ein Deutscher Reeder, der sein Schiff in einen begleiteten Group Transit eingliedern will,muss 5 verschiedene internationale Organisationen abfragen!«



Quelle: MARINEFORUM 12-2009
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Schiffsentführungen sind vermeidbar!
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Herausgebende Organisationen (1)
Schiffsentführungen sind vermeidbar!
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Der/die Autor(en) (1)
Schiffsentführungen sind vermeidbar!
Gottfried Hoch
Experte
Person
Deutsche Marine | Konteadmiral a.D.
1966 Eintritt in die Marine Crew X/66 1967 - 1973 Offizierausbildung , Wachoffizier SM-Boot in Olpenitz Artillerie-Offizier "Zerstörer 2" in Kiel 1973 - 1976 Kommandant BM-Boot "Loreley" 1976 - 1980 Überwasserwaffen - B-Lehrgang, Schiffswaffenoffizier "Zerstörer 2" 1980 - 1982 22. Admiralstabslehrgang Führungsakademie der Bw 1982 - 1985 Admiralstabsoffizier in der MAD-Gruppe I Kiel 1985 - 1989 Erster Offizier Fregatte "Bremen" , Grundsatzreferent bei FüM III 1 1989 - [...]
 
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NOBODY ASKED ME, BUT …


SCHIFFSENTFÜHRUNGEN SIND VERMEIDBAR!
… DIE ZWEITE!

    Gottfried Hoch                              NATO führend. Deutsche Marineoffiziere           sollte, bevor uns der Druck der Lagever-
                                                wurden bereits zur Ausbildung der US-Navy        schärfung oder der veröffentlichten Mei-

I n einer hervorragenden Zusammenfas-
  sung unter dem Titel »Schiffsentführun-
gen sind vermeidbar!« beschreibt Fregatten-
                                                und US-Coast Guard in den USA eingesetzt
                                                bzw. deren Angehörige nehmen an unseren
                                                Lehrgängen teil. Zu einem ersten »echten«
                                                                                                 nung weiter in die Defensive treibt.
                                                                                                   Als ich im Jahre 2002 als erster deutscher
                                                                                                 CTF 150 vorgeschlagen habe, gegen die ge-
kapitän Andreas Uhl (MF 10/2009 S. 18-20)       Einsatz ist es bisher nur in der Unterstützung   rade beginnende Piraterie im Golf von Aden
das gesamte Dilemma der bedrohten Han-          des NATO HQ Neapel im Rahmen der Ope-            der internationalen Schifffahrt ein Angebot
delsschifffahrt auf den Routen im Indischen     ration Active Endeavour gekommen.                für ein freiwilliges »Konvoy-System« auf der
Ozean, das Ergebnis der bisher getroffenen        Man sollte sich die an dieser Stelle verfüg-   Basis unserer NCAGS-Erfahrung zu ma-
Maßnahmen (Operation Atalanta) und die          bare Kompetenz der Flotte zunutze machen,        chen, wurde dies mit der ähnlichen Argu-
noch ungeklärten Fragen. Die Lage der Pi-       und als »Serviceangebot der Marine« für die      mentation als »undurchführbar« bewertet!
raterie vor der ostafrikanischen Küste hat      Deutschen Reeder ein zentrales Beratungs-        Kaum sind sechs Jahre vergangen, wurde
sich mit dem Ende des Monsuns seit der Ab-      büro und Ansprechstelle (oder mehrere?)          unter dem Druck der Ereignisse im Jahre
fassung des Artikels von Uhl weiter ver-        einrichten, in denen die Reeder bei der Lö-      2008 der von Uhl beschrieben »Escorted
schärft, wie die tägliche Presseauswertung      sung von genau den Fragen, die Uhl so tref-      Group Transit« eingeführt! Unter diesem
einem eindeutig vor Augen führt. Andreas        fend dargestellt hat, unterstützt werden. Aus    Zeitmaßstab ist zu erwarten, dass im Jahre
Uhl hat jedoch – in der verständlichen Zu-      einer längeren Mitfahrt auf einem Handels-       2015 das »Marine-Informationsbüro für die
rückhaltung, die einem aktiven Soldaten ge-     schiff und persönlichen Gesprächen mit           Deutsche Handelsschifffahrt« eröffnet wird.
boten erscheint – etwas zu früh mit seiner      einem Sicherheits-Inspektor einer großen         Es bleibt zu hoffen, dass uns die weitere Ent-
Beschreibung zur Lösung der Probleme ge-        Deutschen Reederei weiß ich, wie dringend        wicklung der Lage diese Zeit lässt!
endet.                                          auf der Arbeitsebene hier eine kompetente
  Ich mache dies an zwei Kernsätzen aus sei-    Ansprechstelle der Marine gesucht wird.          Nachsatz 1:
nem Artikel fest (Zitat Uhl): »… es erscheint     Dies würde die Marine auch aus der kon-          Im Jahre 2001 hat der Inspekteur der Ma-
offensichtlich, wie die Entführungen bereits    troversen und immer wieder vorwurfsvol-          rine mit dem Vorsitzenden des Verband
in der Planungsphase hätten verhindert wer-     len Frage, »… was tut eigentlich die Deut-       Deutscher Reeder (VDR) beim Deutschen
den können … und trotzdem gibt es in            sche Marine für uns?« der Deutschen Ree-         Seeschifffahrtstag in Elsfleth feierlich und
Deutschland keine zentrale Ansprechstelle       der herausbringen, die gelegentlich bis zu       öffentlichkeitswirksam einen Vertrag zur
für die Sicherheit der Handelsschifffahrt. …    der Unterstellung »die Flagge schützt den        Einrichtung eines »Maritimen Management
Ein Deutscher Reeder, der sein Schiff in        Handel nicht!« reicht.                           Board« unterschrieben. Auch eine solche
einen begleiteten Group Transit eingliedern       An diesem Punkt meines Vorschlages             Plattform könnte durch eine Veränderung
will, muss 5 verschiedene internationale Or-    muss nun der Aufschrei aller »Bedenkenträ-       ihrer »Terms of Referenz« eine dringend
ganisationen abfragen!«                         ger und anderer Sachkundiger« kommen,            notwendige Wiederbelebung erfahren.
  Hier setzt nun mein weiterführender Vor-      der sich in etwa auf folgende Stichworte
schlag an: Im Flottenkommando haben wir         konzentrieren wird:                              Nachsatz 2:
uns im Bereich der Marineschifffahrtsleitung    n Wo ist der Auftrag?                              Mit dem nachlassenden Interesse der deut-
nicht nur Dienstposten (Aktive u. Reservis-       Beratung deutscher Reeder im Inland in         schen Sicherheitspolitik an der Handels-
ten) sondern sogar noch abgesetzte Dienst-      Fragen zur internationalen Sicherheit fällt      schifffahrt nach Ende des Kalten Krieges
stellen in den für die Handelsschifffahrt       nicht in die Zuständigkeit der Marine, schon     wurden die in diesen Bereich fallenden Auf-
wichtigen Plätzen Hamburg und Bremen/           gar nicht der Flotte!                            gaben (als Friedensdividende?) aus einem
Bremerhaven erhalten, die sich explizit zu      n Wer übernimmt die Verantwortung bis            eigenständigen Referat im FüM III in ein De-
Zeiten des Kalten Krieges um die Zusam-         hin zur Haftung, wenn trotz Beratung etwas       zernat des Flottenkommandos »abgeschich-
menarbeit mit der Handelsschifffahrt und        schief geht?                                     tet«. Sollte in einer Zeit, in der nun der Un-
das Aufstellen des Konvoi Systems zu küm-         Die Reeder wollen das gar nicht – es würde     terstützungsbedarf der Handelsschifffahrt
mern hatten. In einer gewaltigen »Trans-        ihre Handlungs- und Entscheidungsfreiheit        durch die Marine und das veröffentlichte In-
formations«-Leistung ist es gelungen, dieses    einschränken!                                    teresse daran wieder wächst, hier ggf. einmal
System unter dem Begriff »NCAGS (Naval            In der gebotenen Kürze möchte ich hier         ein Umdenken einsetzen?
Control and Guidance of Shipping)« an die       nur feststellen und hoffen, dass sich diese
Realitäten der neuen Bedrohungen und He-        Fragen im Zeitalter der immer wieder zi-         Gottfried Hoch ist Konteradmiral a.D. und war in
rausforderung anzupassen. Die Deutsche          tierten Transformation lösen lassen oder es      seiner letzte aktiven Dienststellung Stellvertreter Be-
Marine ist mit dieser Fachkompetenz in der      zu mindest einmal ein Versuch wert sein          fehlshaber Flotte

MARINEFORUM 12-2009                                                                                                                                  11
 
Jürgen Hensel Jürgen Hensel
(Ansprechpartner von: MarineForum)
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