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Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe

Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe
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3.9.2009
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Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe
Abstract / Inhalt:

Moderne Schiffsentwürfe stützen sich zunehmend auf anspruchsvolle Simulationen. Traditionell sind Schiffsentwürfe stark erfahrungsbasiert. Das ist zum Teil immer noch so, doch zunehmend wird auf »virtuelle Erfahrung« gesetzt, die aus gezielt eingesetzten Simulationen stammt.Anwendungsbreite und Anspruch dieser Simulationen, auf die sich Entscheidungen im Entwurf und Einsatz von Schiffen stützen, haben sich in den letzten zehn Jahren dynamisch entwickelt.

Finite-Element Analyse (FEA)

FEA für globale Festigkeitsanalysen unter der Annahme einer linear-elastischen Materialverformung sind seit vielen Jahren Standard. Diese linear-elastischen Analysen sind heute Ausgangspunkt für anspruchsvollere Analysen, zum Beispiel Analysen zur Betriebsfestigkeit oder Grenztragfähigkeit.
Bis 1998 betrafen die SOLAS (International Convention for the Safety of Life at Sea) ‑ Vorschriften zur Leckstabilität nur Frachtschiffe über 100 m Länge. Danach wurde der Grenzwert auf 80 m Länge für Neubauten gesenkt. Zusätzliche Schotte zur Erfüllung der Leckstabilität sind teuer und behindern häufig den Umschlag.Die neuen SOLAS-Vorschriften erlauben hier für einige Schiffe alternative Schottanordnung, vorausgesetzt, dass ein zumindest »gleichwertiger« Sicherheitsstandard erzielt wird.Diese Formulierung öffnet die Tür für alternative Entwürfe, bei denen die gleichwertige Sicherheit mit Hilfe von Simulationen nachgewiesen werden kann. Beispielsweise kann eine Konstruktion mit erhöhtem Kollisionswiderstand die Wahrscheinlichkeit für ein Leck der inneren Hülle ausreichend verringern, um zusätzliche Schotte zu vermeiden. Nach umfangreichen, systematischen FEA-Simulationen für Schiffskollisionen hat der Germanische Lloyd eine erste derartige Richtlinie für die Bewertung und Genehmigung alternativer Ausführungen entwickelt (Abb.2). Die Grundlage der Genehmigungsprozedur ist der Vergleich der kritischen Verformungsenergie im Falle einer seitlichen Kollision zwischen einem Basisentwurf, der die klassische SOLAS-Vorschrift erfüllt, und einer speziell verstärkten Konstruktion.

Finite-Element Analysen erfordern die Vorgabe von externen Lastkräften,bei Schiffen zum Beispiel hydrostatische und hydrodynamische Lasten.Die Software GL. Ship- Load unterstützt eine effiziente Generierung der entsprechenden Eingabedateien für verschiedene Lastfälle bei globalen Strukturanalysen. Dazu erforderliche hydrostatische und hydrodynamische Berechnungen sind im Programm integriert. Durch rechnergestützte Auswahl kritischer Lastfälle wird zudem der Gesamtrechenaufwand zur sicheren Dimensionierung der Konstruktion intelligent reduziert.


Quelle: MarineForum 9-2009
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Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe
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Herausgebende Organisationen (1)
Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe
Germanischer Lloyd
Goldsponsor
Der Germanische Lloyd setzt Standards in Technik, Qualität und Sicherheit für die maritime Branche und die Industrie. Neben der Klassifizierung von Schiffen aller Art ist der Germanische Lloyd als technische Überwachungsgesellschaft weltweit aktiv. Das Unternehmen beschäftigt über 2.600 Mitarbeiter [...]
 
Organisationen (3)
Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe
Germanischer Lloyd
Goldsponsor
Der Germanische Lloyd setzt Standards in Technik, Qualität und Sicherheit für die maritime Branche und die Industrie. Neben der Klassifizierung von Schiffen aller Art ist der Germanische Lloyd als technische Überwachungsgesellschaft weltweit aktiv. Das Unternehmen beschäftigt über 2.600 Mitarbeiter [...]
Organisation
Dienstleistungen für den internationalen Offshoremarkt [...]
Organisation
Die Germanischer Lloyd WindEnergie GmbH (GL Wind) ist die international führende Zertifizierungsstelle für Windenergieanlagen und deren Komponenten, sowohl im Onshore- als auch im Offshore-Bereich. GL Wind hat 2003 die „Richtlinie für die Zertifizierung von Windenergieanlagen (WEA)“ herausgegeben, [...]
 
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Schiffsdesign - Virtuelle Erfahrung für Marineschiffe
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SCHIFFSDESIGN
VIRTUELLE ERFAHRUNG FÜR MARINESCHIFFE

  Karsten Fach/Volker Bertram                         häufig den Umschlag. Die neu-
                                                      en SOLAS-Vorschriften erlau-

M        oderne Schiffsentwürfe stützen sich
         zunehmend auf anspruchsvolle Si-
mulationen. Traditionell sind Schiffsent-
                                                      ben hier für einige Schiffe alter-
                                                      native Schottanordnung, vo-
                                                      rausgesetzt, dass ein zumindest
würfe stark erfahrungsbasiert. Das ist zum            »gleichwertiger« Sicherheits-
Teil immer noch so, doch zunehmend wird               standard erzielt wird. Diese For-
auf »virtuelle Erfahrung« gesetzt, die aus ge-        mulierung öffnet die Tür für al-     Abb. 3: Globale Vibrationsanalyse
zielt eingesetzten Simulationen stammt.An-            ternative Entwürfe, bei denen
                                                                                           Abb.4: Lokale Vibrationsanalyse für ein Deck
wendungsbreite und Anspruch dieser Simu-              die gleichwertige Sicherheit mit
lationen, auf die sich Entscheidungen im              Hilfe von Simulationen nach-
Entwurf und Einsatz von Schiffen stützen,             gewiesen werden kann. Bei-
haben sich in den letzten zehn Jahren dyna-           spielsweise kann eine Konstruk-
misch entwickelt.                                     tion mit erhöhtem Kollisions-
                                                      widerstand die Wahrscheinlich-
Finite-Element Analyse (FEA)                          keit für ein Leck der inneren
                                                      Hülle ausreichend verringern,
  FEA für globale Festigkeitsanalysen unter           um zusätzliche Schotte zu ver-
der Annahme einer linear-elastischen Ma-              meiden. Nach umfangreichen,
terialverformung sind seit vielen Jahren              systematischen FEA-Simulatio-
Standard. Diese linear-elastischen Analysen           nen für Schiffskollisionen hat
sind heute Ausgangspunkt für anspruchs-               der Germanische Lloyd eine erste derartige Zusatzmassen. Die hydrodynamischen Zu-
vollere Analysen, zum Beispiel Analysen zur           Richtlinie für die Bewertung und Genehmi- satzmassen berücksichtigen den Effekt des
Betriebsfestigkeit oder Grenztragfähigkeit            gung alternativer Ausführungen entwickelt angrenzenden Wassers und hängen von der
(Abb. 1).                                             (Abb. 2). Die Grundlage der Genehmigungs- Schwingungsfrequenz ab. Man kann sie
  Bis 1998 betrafen die SOLAS (Internatio-            prozedur ist der Vergleich der kritischen Ver- mit viel Erfahrung abschätzen oder auch
nal Convention for the Safety of Life at Sea)         formungsenergie im Falle einer seitlichen nach vorhergehenden hydrodynamischen
– Vorschriften zur Leckstabilität nur Fracht-         Kollision zwischen einem Basisentwurf, der Analysen berechnen. Auch für viele loka-
schiffe über 100 m Länge. Danach wurde der            die klassische SOLAS-Vorschrift erfüllt, und le Vibrationsanalysen (Abb. 4) müssen Zu-
Grenzwert auf 80 m Länge für Neubauten                einer speziell verstärkten Konstruktion.            satzmassen berücksichtigt werden, näm-
gesenkt. Zusätzliche Schotte zur Erfüllung              Finite-Element Analysen erfordern die lich immer dann, wenn Teile der Struktur
der Leckstabilität sind teuer und behindern           Vorgabe von externen Lastkräften, bei Schif- an Flüssigkeiten grenzen (Tanks, Außen-
                                                      fen zum Beispiel hydrostatische und hydro- haut). Aufgrund der hohen Eigenfrequen-
                                                      dynamische Lasten. Die Software GL.Ship- zen müssen die FEA-Modelle bei lokalen
                                                      Load unterstützt eine effiziente Generierung Vibrationsanalysen detailliert sein und die
                                                         der entsprechenden Eingabedateien für Biegesteifigkeiten der Bauteile im Modell
                                                           verschiedene Lastfälle bei globalen mit erfassen.
                                                             Strukturanalysen. Dazu erforderliche
Abb. 1:                                                       hydrostatische und hydrodynamische Akustik
Globale Festig-                                            Berechnungen sind im Programm in-
keitsanalysen:                                           tegriert. Durch rechnergestützte Auswahl            Für hohe Frequenzen (Körperschallbe-
Rechennetz und Spannungen                             kritischer Lastfälle wird zudem der Gesamt- reich) führt der übliche FEA Ansatz der Vi-
für eine Fregatte                    (Grafiken: GL)
                                                      rechenaufwand zur sicheren Dimensionie- brationsanalyse zu massiv hohen Anforde-
Abb. 2: Nichtlineare FEA-Simulation für die Kol-      rung der Konstruktion intelligent reduziert. rungen an die Rechnerleistung. Die Model-
lision zweier Schiffe                                                                                     lierung eines typischen Passagierschiffs für
                                                      Vibrationsanalysen                                  Frequenzen bis zu 1.000 Hz würde zu meh-
                                                                                                          reren Millionen Freiheitsgraden führen.
                                                        Der Fortschritt in rechnergestützten Me- Hier kommen daher Verfahren zum Einsatz,
                                                      thoden hat dreidimensionale Finite-Ele- die die akustische Energie betrachten und
                                                      ment Analysen zum Standardwerkzeug bei deren Ausbreitung in der Struktur mit fini-
                                                      der Beurteilung von Schiffsvibrationen ten Elementen effizient modellieren. Dies
                                                      werden lassen (Abb. 3). Die Berechnungen ist die Grundlage für die Software GL Noi-
                                                      erfordern dabei die Vorgabe von Massen- seFEM (Abb.5). Der Vergleich mit Messun-
                                                      und Steifigkeitsverteilungen vom Benut- gen an der Großausführung zeigt dabei, dass
                                                      zer. Die Massen berücksichtigen das Schiff, GL NoiseFEM praktisch ausreichend den
                                                      seine Ladung und die hydrodynamischen Körperschall für Frequenzen von 80 Hz bis

MARINEFORUM 9-2009                                                                                                                                 11
                                                                   neare Simulationen im Zeit-     meist vereinfacht im Modell durch geeigne-
                                                                   bereich werden dagegen er-      te axiale und radiale Volumenkräfte erfasst.
                                                                   forderlich, wenn große Be-      Diese Vorgehensweise ist viel schneller als
                                                                   wegungen (z.B. große Roll-      ein direktes Erfassen der Propellergeome-
                                                                   winkel) oder starke geome-      trie, beeinträchtigt aber in der Regel die Ge-
                                                                   trische Nichtlinearitäten wie   nauigkeit der berechneten Ruderkräfte nur
Abb. 5: Berechnungsnetz und                                        zum Beispiel bei U-Booten       geringfügig (weniger als 1 Prozent). Die Vor-
berechneter Körperschall auf der                                   an der Wasseroberfläche im      gehensweise hat sich in vielen Projekten be-
benetzten Außenhaut                                                Spiel sind. Sie empfehlen       währt und kann in ähnlicher Form auch für
                                                                   sich auch bei der Behand-
                                                                   lung des Seeverhaltens von
                                                                   Gleitbooten. Voll nichtline-
                                                                   are Simulationen erfordern
                                                                   massiven Rechnereinsatz
                                                           und erlauben bislang nur die Simu-
                                                  lation von relativ kurzen Zeiträumen (eini-
                                    2.000 Hz      ge Sekunden bis einige Minuten für die
                          berechnet. Die Ent-     Großausführung).
wicklungen sind auf diesem Gebiet noch              Intelligente Kombination von linearen
lange nicht abgeschlossen. Der Körperschall       Methoden im Frequenzbereich und nicht-
auf der benetzten Außenhaut von Schiffen          linearen Simulationen im Zeitbereich nut-
lässt sich bereits gut berechnen, dies ist eine   zen die jeweiligen Stärken der einzelnen An-
notwendige Voraussetzung für die zuverläs-        sätze aus. Eine lineare Analyse identifiziert
sige Prognose des abgestrahlten Unterwas-         kritische Parameterkombinationen über
serschalls. Weitergehende Forschungs- und         den Lebenszyklus eines Schiffes. Danach          Abb.

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Person Dr. Olaf Mager
(Ansprechpartner von: Germanischer Lloyd)
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