(Berlin – 8. März): Heute erscheint das in Fachkreisen bereits erwartete Fachbuch „Piraterie am Horn von Afrika - Bedrohung der zivilen Seeschifffahrt vor Somalia 2005-2010“ des Experten für maritime Sicherheit Dr. Michael Stehr im Berliner Wissenschaftsverlag Dr. Köster. Seit 1990 steigt die Anzahl von Piratenüberfällen auf die zivile Seeschifffahrt rasant an. Stand bei dieser Entwicklung zunächst Asien im Mittelpunkt, entwickelt sich seit 2005 die Piraterie am Horn von Afrika geradezu dramatisch. Seit 2008 explodiert die Zahl der Schiffsentführungen mit Geiselnahme der Besatzung und Lösegelderpressung und etabliert sich in den Küstenorten Somalias als gut organisierter, krimineller Wirtschaftszweig.
Zivile Seeschifffahrt intensiv betroffen „Mehr als 1.000 Seeleute werden jährlich als Geiseln festgehalten - im Schnitt über vier Monate lang“, berichtet Autor Dr. Michael Stehr. „Es ist eine Art zivilisatorischen Versagens, dass die Menschenrechte von Piraten in der politischen und rechtlichen Diskussion großes Augenmerk erhalten, die Verletzung der Menschenrechte entführter Seeleute aber kaum Beachtung findet“, klagt Stehr an.
Dem Experten zu folge ist nicht mit einer Verbesserung der Bedrohungslage zu rechnen. Das Gegenteil sei der Fall: „Piraterie ist nicht nur ein Geschehen, dass beobachtet werden muss - es nötigt die gesamte Seeschifffahrt zu Reaktionen. Die Seeschifffahrt muss am Anfang des 21. Jahrhunderts die Wehrhaftigkeit neu definieren, die sie seit über 100 Jahren vernachlässigen durfte. Deutsche Reeder sind mit ihren über 3.700 Schiffen intensiv betroffen.“
Die betroffenen Gebiete weiten sich aus und die Brutalität der Piraten nimmt zu
Die von Somalia ausgehende Piraterie bedroht mittlerweile sowohl die wichtigsten Seeverbindungen zwischen Europa und Asien, als auch die zwischen dem Nahen Osten und Europa. Somalische Piraten beherrschen praktisch den gesamten westlichen Indischen Ozean von Karachi bis Durban, von Sri Lanka bis zum Bab-el-Mandeb. Die Piraten werden zunehmend gewalttätiger, mittlerweile foltern sie ihre Geiseln.
„Bald schon wird die Vorgehensweise, die angegriffenen Schiffe aus sicherer Distanz „sturmreif“ zu schießen, unter Piraten zur Standardtaktik werden. Um effektiven bewaffneten Schutz der Schiffe kommen deutsche und europäische Reeder mittelfristig nicht herum“, befürchtet Stehr.
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