90 Gäste, darunter Offiziere aus 14 Ländern, sowie der Vizepräsident beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung und der Stellvertretende Flottenchef der Deutschen Marine waren am 15. November 2006 auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen (WTD 71) in Elpersbüttel Zeugen des erfolgreichen Testflugs eines Prototypen des neuen U-Boot-Waffensystems IDAS (Interactive Defence and Attack System). Aus unmittelbarer Nähe sahen die Zuschauer einen Flugkörper aus dem Wasser schießen, beschleunigen und seinen Flug in einer leicht geneigten Bahn fortsetzen. Während des Fluges übertrug ein Lichtwellenleiter Bilddaten einer in der Flugkörpernase installierten Videokamera an die Bodenstation. Das innovative Waffensystem, das U-Booten in Zukunft völlig neue Fähigkeiten verleiht, absolvierte bereits im Vormonat unter Ausschluss der Öffentlichkeit seinen erfolgreichen Erstflug.
IDAS ist als Mehrzweckwaffe zur Selbstverteidigung gegen Bedrohungen aus der Luft, zur Bekämpfung von Schiffen bis mittlerer Größe sowie zur präzisen Wirkung gegen küstennahe Landziele ausgelegt. Die größte Bedrohung für U-Boote geht heute von luftgestützten U-Jagd-Einheiten wie Hubschraubern und U-Jagdflugzeugen aus. IDAS erlaubt Angriffe dieser Plattformen aktiv abzuwehren und dem gegnerischen Waffeneinsatz zuvor zu kommen. Kern des Systems ist ein hochmoderner Lenkflugkörper, der vom getauchten U-Boot hydraulisch ausgestoßen wird, nach Entfalten von Flügel und Ruder in sicherer Entfernung unter Wasser sein Feststofftriebwerk zündet und anschließend autopilotengesteuert zur Wasseroberfläche auftaucht. Über dem Wasser dreht sich der Flugkörper in Richtung Ziel, das er mit dem von IRIS-T übernommenen Infrarot-Suchkopf auffasst und verfolgt. Obwohl der komplette Missionsablauf autonom erfolgt, unterscheidet sich IDAS von anderen Flugkörperkonzepten durch eine faseroptische Datenverbindung (Lichtwellenleiter), die vom Start bis zum Treffer im Ziel den Flugkörper mit der Operationszentrale des U-Bootes verbindet. Dadurch ist nicht nur in jeder Phase der Eingriff in die Mission möglich. Die Einbindung des Menschen verbessert die zuverlässige Zielerkennung, erlaubt eine genaue Zielpunktbestimmung und trägt wesentlich zur Vermeidung von Kollateralschäden bei. Außerdem können die vom Suchkopf aufgenommenen Zielbilder im U-Boot später ausgewertet werden. Die Arbeiten zu IDAS werden im Rahmen einer vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung finanzierten Experimentalstudie durchgeführt. Auftragnehmer auf Industrieseite ist eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE IDAS) der Firmen Diehl BGT Defence, Howaldtswerke Deutsche Werft und Kongsberg. Auf Seiten von Diehl sind die Unternehmen Autoflug (Lichtwellenleiter) und NAMMO (Antrieb) im Unterauftrag beteiligt. Im Laufe der bis 2007 dauernden Experimentalstudie werden verschiedene Realisierungsrisiken des innovativen Flugkörpersystems untersucht, das einige technologisch einmalige Weltneuheiten aufzuweisen hat. Der IDAS-Flugkörper ist der erste Lenkflugkörper, der sich unter Wasser ohne zusätzliche Schutzkapsel bewegt. Dies spart Volumen bei der Lagerung im U-Boot, so dass der im Torpedorohr untergebrachte Startbehälter insgesamt vier IDAS-Flugkörper einschließlich Hydraulik und Elektronik aufnehmen kann. Kein anderes Flugkörpersystem konnte bisher den zuverlässigen Einsatz eines Lichtwellenleiters beim Austritt aus der Wasseroberfläche demonstrieren. Zur Vermeidung störender Kräfte an der Grenzfläche Wasser/Luft stößt der Flugkörper beim Verlassen der Wasseroberfläche eine Boje mit zusätzlichen Spulen zur Kompensation der Einflüsse von Luft- und Wasserströmungen aus. Nach Abschluss der laufenden Experimentalstudie ist von 2007 bis 2009 ein Risiko-Minimierungsprogramm geplant, mit der die anschließende Entwicklung vorbereitet werden soll. Die Einführung des Systems könnte dann ab 2013 erfolgen. Um die Finanzierung des Entwicklungsprogramms sicher- stellen zu können, finden inzwischen Gespräche mit internationalen Partnern statt. Im Zusammenhang mit den erfolgreichen Testschüssen sprach die Geschäftsleitung von Diehl BGT Defence dem IDAS-Team Dank und Anerkennung für das große Engagement und die hervorragenden Leistungen aus.
Einsatzszenario:

Quelle: DBD
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