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    Interviewrunde mit Dr. Michael Stehr zum Thema „Sicherheit auf den Weltmeeren: Aktuelle Bedrohungen des Seeverkehrs durch Piraterie“

    Michael Stehr
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    Die vom IMB registrierten Überfälle summierten sich weltweit 1992 noch auf 106, in 2003 auf 445. Seither ist der Anstieg durch Gegenmaßnahmen schon eingedämmt worden, 2004 waren es noch 345, 2005 noch 276 registrierte Überfälle. Die Dunkelziffer soll nach Schätzungen drei- bis fünfmal höher sein. Insbesondere kleine regional operierende Reedereien vermeiden oft die Meldung an die Behörden, um weiteren Ärger zu vermeiden. Die Fallzahlen gehen zurück, die Gewaltbereitschaft hat aber zugenommen, insbesondere vor Somalia ist der Schusswaffengebrauch durch die Angreifer an der Tagesordnung. Die Hauptproblemgebiete der neunziger Jahre ‑ Südchinesisches Meer, Hongkong, Philippinen ‑ sind heute relativ ruhig. Gebessert hat sich die Situation in der Malakka-Straße (75 Überfälle in 2000, 28 in 2003 und nur 12 in 2005). Indonesien, das sich seit Anfang der neunziger Jahre zu einem gefährlichen Hotspot entwickelt hat, ist nach wie vor der Spitzenreiter bei den Überfallzahlen, rund ein Drittel aller weltweit registrierten Überfälle geht auf das Konto indonesischer Täter. Somalia ist ein neuer, seit Ende 2004 zu verzeichnender Hotspot auf der Weltkarte der Piraterie. Auch auf den Ankerplätzen vor den Häfen des Irak werden seit 2005 Überfälle verübt. Die Formen haben sich insoweit verändert, dass neben den klassischen Überfällen zum Entwenden kleinerer Gegenstände, dem organisierten Ladungsdiebstahl und dem Wegnehmen ganzer Schiffe zur Verwendung als Phantomschiff seit Ende 2003 auch die Entführung von Besatzungsmitgliedern zur Erpressung von Lösegeld zunehmend praktiziert wird ‑ Somalias Küsten sind in dieser Hinsicht die gefährlichsten.

    Die Zunahme und die Bedeutung des Seeverkehrs stehen einem Zuwachs an Bedrohungen durch Piraterie und geopolitische Unwägbarkeiten gegenüber. Für die ökonomische Entwicklung und Stabilität sowohl der Industrienationen als auch der Schellen- und Entwicklungsländer haben sichere Seewege größte Bedeutung. Gleichzeitig hat die Verwundbarkeit des Seeverkehrs durch immer besser gerüstete Piraten bei oftmals regional schwierigen politischen Verhältnissen zugenommen. In dieser Interviewrunde diskutieren Experten Ausmaß und Erscheinungsformen von Piraterie. Fragen zum Umfang der ökonomischen Risiken, zu geeigneten Strategien sowie zu den sicherheitspolitischen Optionen (Marine) bilden den Kern der Aussagen. Ein Ausblick auf die Entwicklung der nächsten 5 ‑ 10 Jahre schließt die Interviewrunde ab.



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    Autor
    • Michael Stehr
      Dr. jur. Michael Stehr

      Studium der Geschichte und Anglistik sowie der Rechtswissenschaft in Hannover, Göttingen und Bonn. Zeitweise tätig in der Verwaltung des Deutschen Bundestages, Volljurist, Promotion 2001 im Verfassungsrecht, seit Februar 2000 Redakteur in der Redaktion Marine Forum. Zahlreiche Publikationen in Fachzeitschriften. Mitarbeit in der unabhängigen in 10 Staaten der...

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