"If you had told me five years ago that I would be sending US warships to conduct anti-piracy patrols off Africa, I am certain
I would have been sceptical. But the truth is that piracy can no longer be viewed as someone else´s problem. It is a global
problem because of its deepening ties to international criminal networks and the disruption of vital commerce". Diese
Aussage des heutigen Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff der USA, Michael "Mike" Mullen, trifft den Kern der
Problematik im Umgang mit der modernen Piraterie. Fristete die Beachtung der Piraterie lange Zeit ein Schattendasein, so
tritt sie spätestens seitdem auch die Interessen der Industrienationen tangiert sind, auf die sicherheitspolitischen Agenden.
Seit 1984 wurden weltweit mehr als 4.500
Überfälle auf Schiffe gemeldet. Im Jahr
2008 wurden durch das International
Maritime Bureau (IMB) 293 Überfälle auf
Schiffe registriert. Mit insgesamt 42 gekaperten
Schiffen, 850 festgehaltenen
Besatzungsmitgliedern, zwei toten und 14
vermissten Seeleuten führen die Gewässer
vor der somalischen Küste die Statistiken
an. Im ersten Quartal 2009 wurden in dieser
Region bereits 102 Attacken gegen
Handelsschiffe verzeichnet, im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg von
nahezu 100 Prozent. Derzeit befinden sich
etwa zwanzig Schiffe in der Gewalt von
Seeräuberbanden.
Das Spannungsverhältnis von Krieg,
Handel und Piraterie findet sich sowohl in
der antiken Welt, im frühen 19.
Jahrhundert als auch heute wieder. Dort,
wo Handel auf den Seewegen prosperierte,
blühte auch der Raub auf See. Wirksam
bekämpft wurde der Seeraub durch das
Zusammenspiel von maritimer Präsenz
großer (See-)Mächte und gezielten
Landoperationen gegen die Ausgangsbasen
der Piraten. Bereits die Seemacht
Athen sicherte ihre Handelsinteressen im
östlichen Mittelmeer durch die Präsenz der
Flotte des delisch-attischen Seebundes.
Der Machtgegensatz der europäischen
Kolonialmächte im frühen 16. Jahrhundert
ließ die Piraterie in ihr "Goldenes
Zeitalter" eintreten. Erst das Auftreten der
Seemacht Großbritannien setzte der
Piraterie im 19. Jahrhundert vorerst ein
Ende - Britannia rule the waves.
Piraterie ereignet sich heute im
Besonderen entlang des Krisenbogens von
Südostasien über den Nahen Osten bis hin
zum Golf von Aden. Auch die westafrikanischen
Gewässer zählen ebenso wie die
lateinamerikanischen zum Operationsgebiet
moderner Seeräuber. Eine einheitliche
Verteilung der Piraterie ist weltweit nicht
erkennbar, sie ist jedoch kein regionales,
sondern ein globales Problem.
Quelle: IMS Sonderausgabe 2009|
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