Seit einigen Jahren stützt sich die Dimensionierung
von komplexen Schiffsstrukturen
auf Finite-Elemente (FE)-Analysen
des gesamten Schiffes 1‑3. Im Gegensatz zu
dem traditionellen, auf Regeln und Formeln
basierenden Entwurf besteht hier die Möglichkeit,
direkt berechnete Lasten zu verwenden.
Die benutzerfreundliche Software GL Ship-
Load wurde entwickelt, um realistische Lasten
für eine globale FE-Analyse von Containerschiffen
effizient zu erzeugen 4, 5. Basierend
auf dem Entwurfswellen-Konzept findet diese
Software die für die Bemessung der Schiffsstrukturen
relevantesten Lastkombinationen.
Hydrodynamische Berechnungen für reguläre
Wellen führen zu welleninduzierten Drücken
und Schiffsbeschleunigungen.
Die strukturellen Beanspruchungen resultieren
aus der Massenbeschleunigung (Trägheitslasten)
und aus externen welleninduzierten
Drücken. GL ShipLoad bietet Hilfe bei
der Modellierung der Massenverteilung von
Leerschiffsgewicht und Ladung, bei der Berechnung
der hydrostatischen und hydrodynamischen
Drücke sowie bei der Erzeugung ausgeglichener,
quasi statischer Lastfälle.
Über benutzerdefinierte Auswahlkriterien
wie z.B. das vertikale Biegemoment oder das
Torsionsmoment werden die kritischen Wellensituationen
für die globale Festigkeitsanalyse
ausgewählt. Anhand der Entwurfslastfälle,
die in den „Guidelines for Strength Analysis for
Ship Structures with the Finite Element Method“
2 beschrieben sind, werden die Hüllkurven
für Biege- und Torsionsmomente nach
Bauvorschrift angenähert.
Um die Entwurfslastfälle zu finden, wird
eine große Anzahl von Wellensituationen analysiert.
Die Rollbewegung trägt maßgeblich
zum dynamischen Torsionsmoment, insbesondere
im Bereich der vorderen Laderäume 6,
bei und muss daher hinsichtlich der Verschiebung
der Lukendeckel und der Beanspruchung
der Lukenecken berücksichtigt werden.
Die Erstellung einer strukturellen Festigkeitsanalyse
auf dieser Grundlage umfasst folgende
Arbeitsschritte 5:
- Generierung eines FE-Modells, das die globalen strukturellen Eigenschaften des ganzen Schiffes erfasst
- Auswahl von zwei kritischen Ladefällen, in der Regel sind es das maximale und das minimale Hogging-Glattwassermoment
- Verteilung von Massen auf das FE-Modell, um Ladung und Verbrauchsgüter zu einem Ladefall zusammenzustellen
- Erzeugung des hydrostatischen Gleichgewichts für diesen Ladefall
- Lineare Berechnung der Schiffsbewegungen und -beschleunigungen
- Berechnung von welleninduzierten Drücken unter Berücksichtigung nicht linearer Korrekturen
- Erzeugung des dynamischen Gleichgewichts für das FE-Modell
- Systematische Analyse verschiedenster Wellensituationen
- Auswahl der kritischen Entwurfslastfälle
- Durchführung der strukturellen Festigkeitsanalyse mit diesen Entwurfslastfällen
Quelle: nonstop 01/2009
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