Die integrierte Meerespolitik (IMP) der Europäischen Union steht für einen neuen Ansatz, die
optimale Entwicklung aller meeresbezogenen Tätigkeiten auf nachhaltige Weise zu fördern.
Sie bestätigt den vorausschauenden Gedanken, dass Europa deutlich davon profitiert und die
Umwelt wesentlich geringer belastet wird, wenn für alle Politikbereiche, die auf die Nutzung
der Meere und Ozeane ausgerichtet sind, ein gemeinsames Konzept entwickelt wird. Die EUOrgane,
die Mitgliedstaaten und die Regionen haben Strukturen geschaffen, die die bisherige
Trennung im meerespolitischen Bereich aufheben und Zusammenhängen sowie Synergien mit
anderen Politikbereichen Rechnung tragen. Das beträchtliche Interesse, das alle Akteure dem
breit angelegten Konsultationsprozess 2006-07 entgegengebracht haben, hat sich bestätigt und
die IMP als eine EU-Politik etabliert, die besonders stark nach dem Bottom-up-Prinzip
funktioniert. Sektorübergreifende Instrumente wie die maritime Raumordnung, die integrierte
Meeresüberwachung oder die Meeresforschung zeigen erste greifbare Ergebnisse und dürften
die Art, wie wir unsere Ozeane bewirtschaften, entscheidend verbessern. In mehreren
Politiken der EU, die auf unsere Meere und Küsten ausgerichtet sind, wie der Fischerei-, der
Verkehrs-, der Umwelt-, der Energie-, der Unternehmens- oder der Forschungspolitik, wurden
entscheidende Schritte hin zu mehr Integration und Kohärenz unternommen. Die Kommission
hat außerdem erste Initiativen ergriffen, um die IMP auf regionaler Ebene zu verankern. Kurz,
die IMP der EU ändert die Sichtweise der Europäer auf ihre Meere und Ozeane und
unterstreicht noch einmal die wichtige strategische Rolle der Meere und Küstenregionen
unseres Kontinents.
Im Rahmen seiner Zustimmung zur IMP und zum Blaubuch hat der Europäische Rat vom
14. Dezember 2007 die Kommission ersucht, Ende 2009 über die erzielten Fortschritte
Bericht zu erstatten. In der vorliegenden Mitteilung werden diese Fortschritte ebenso wie die
künftigen Aktionen zur Weiterentwicklung der IMP vorgestellt. Es wird zudem betont, dass
eine gemeinsame Politikgestaltung zugunsten der Meere, der maritimen Wirtschaft und der
Küstengebiete auch dazu beitragen kann, den Herausforderungen der aktuellen
Weltwirtschaftskrise zu begegnen und den notwendigen Kampf gegen die drohenden
Auswirkungen des Klimawandels und die Zerstörung unserer Umwelt erfolgreich zu führen.
Im Blaubuch vom Oktober 2007 wurde ein ehrgeiziger Aktionsplan aufgestellt. Er enthält
neue Arbeitsmethoden, sektorübergreifende Instrumente und eine große Zahl spezifischer
Aktionen zur Verbesserung der maritimen Wirtschaft, zum Schutz und zur Wiederherstellung
der Meeresumwelt, zur Stärkung von Forschung und Innovation, zur Förderung der
Entwicklung in Küstenregionen sowie in Regionen in äußerster Randlage, zur aktiven
Mitgestaltung maritimer Angelegenheiten auf internationaler Ebene und für mehr Sichtbarkeit
des maritimen Europa.
Die Rahmenbedingungen, die mit der IMP geschaffen werden, beruhen im Wesentlichen auf
vier Zielsetzungen (mit deren Umsetzung zum Teil bereits begonnen wurde):
DE
DE DE
KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
Brüssel, den 15.10.2009
KOM(2009)540 endgültig
BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT, DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT,
DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN
AUSSCHUSS DER REGIONEN
FORTSCHRITTSBERICHT ZUR INTEGRIERTEN MEERESPOLITIK DER EU
{SEK(2009) 1343}
DE DE
BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT, DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT,
DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN
AUSSCHUSS DER REGIONEN
FORTSCHRITTSBERICHT ZUR INTEGRIERTEN MEERESPOLITIK DER EU
1. EINLEITUNG
Die integrierte Meerespolitik (IMP) der Europäischen Union steht für einen neuen Ansatz, die
optimale Entwicklung aller meeresbezogenen Tätigkeiten auf nachhaltige Weise zu fördern.
Sie bestätigt den vorausschauenden Gedanken, dass Europa deutlich davon profitiert und die
Umwelt wesentlich geringer belastet wird, wenn für alle Politikbereiche, die auf die Nutzung
der Meere und Ozeane ausgerichtet sind, ein gemeinsames Konzept entwickelt wird. Die EU-
Organe, die Mitgliedstaaten und die Regionen haben Strukturen geschaffen, die die bisherige
Trennung im meerespolitischen Bereich aufheben und Zusammenhängen sowie Synergien mit
anderen Politikbereichen Rechnung tragen. Das beträchtliche Interesse, das alle Akteure dem
breit angelegten Konsultationsprozess 2006-07 entgegengebracht haben, hat sich bestätigt und
die IMP als eine EU-Politik etabliert, die besonders stark nach dem Bottom-up-Prinzip
funktioniert. Sektorübergreifende Instrumente wie die maritime Raumordnung, die integrierte
Meeresüberwachung oder die Meeresforschung zeigen erste greifbare Ergebnisse und dürften
die Art, wie wir unsere Ozeane bewirtschaften, entscheidend verbessern. In mehreren
Politiken der EU, die auf unsere Meere und Küsten ausgerichtet sind, wie der Fischerei-, der
Verkehrs-, der Umwelt-, der Energie-, der Unternehmens- oder der Forschungspolitik, wurden
entscheidende Schritte hin zu mehr Integration und Kohärenz unternommen. Die Kommission
hat außerdem erste Initiativen ergriffen, um die IMP auf regionaler Ebene zu verankern. Kurz,
die IMP der EU ändert die Sichtweise der Europäer auf ihre Meere und Ozeane und
unterstreicht noch einmal die wichtige strategische Rolle der Meere und Küstenregionen
unseres Kontinents.
Im Rahmen seiner Zustimmung zur IMP und zum Blaubuch1 hat der Europäische Rat vom
14. Dezember 20072 die Kommission ersucht, Ende 2009 über die erzielten Fortschritte
Bericht zu erstatten. In der vorliegenden Mitteilung werden diese Fortschritte ebenso wie die
künftigen Aktionen zur Weiterentwicklung der IMP vorgestellt. Es wird zudem betont, dass
eine gemeinsame Politikgestaltung zugunsten der Meere, der maritimen Wirtschaft und der
Küstengebiete auch dazu beitragen kann, den Herausforderungen der aktuellen
Weltwirtschaftskrise zu begegnen und den notwendigen Kampf gegen die drohenden
Auswirkungen des Klimawandels und die Zerstörung unserer Umwelt erfolgreich zu führen.
Im Blaubuch vom Oktober 2007 wurde ein ehrgeiziger Aktionsplan aufgestellt. Er enthält
neue Arbeitsmethoden, sektorübergreifende Instrumente und eine große Zahl spezifischer
Aktionen zur Verbesserung der maritimen Wirtschaft, zum Schutz und zur Wiederherstellung
der Meeresumwelt, zur Stärkung von Forschung und Innovation, zur Förderung der
Entwicklung in Küstenregionen sowie in Regionen in äußerster Randlage, zur aktiven
Mitgestaltung maritimer Angelegenheiten auf internationaler Ebene und für mehr Sichtbarkeit
des maritimen Europa.
1
Eine integrierte Meerespolitik für die Europäische Union, KOM(2007) 575 endgültig vom 10.10.2007
und SEK(2007) 1278 vom 10.10.2007
2
16616/1/07 REV 1
DE 2 DE
Die Rahmenbedingungen, die mit der IMP geschaffen werden, beruhen im Wesentlichen auf
vier Zielsetzungen (mit deren Umsetzung zum Teil bereits begonnen wurde):
- Stärkere Integration der Verwaltungs- und Lenkungsstrukturen durch mehr Öffnung und
Zusammenarbeit;
- Aufbau der erforderlichen Wissensbasis und sektorübergreifender Instrumente zur
Umsetzung einer integrierten Politik;
- Optimierung sektoraler Politiken durch aktives Herausarbeiten von Synergien und eine
bessere Abstimmung zwischen einzelnen Sektoren;
- im Rahmen der ersten drei Zielsetzungen maßgeschneiderte, auf die Besonderheiten der
europäischen Regionalmeere zugeschnittene Lösungen.
Die Umsetzung des Aktionsplans ist weit vorangeschritten: Von 65 Aktionen wurden 56
eingeleitet oder bereits abgeschlossen (überwiegend in Form von Rechtsakten der
Kommission oder des Rates). Was die übrigen neun Aktionen anbelangt, so wurden zwar
noch keine offiziellen Dokumente verabschiedet, aber verschiedene Initiativen auf den Weg
gebracht. Nach Abschluss der ersten Phase konzentrieren sich die Kommission und die
Mitgliedstaaten jetzt auf die konkrete Durchführung vor Ort und planen in allen einschlägigen
Politikbereichen gegebenenfalls erforderliche zusätzliche Maßnahmen.
Seit Ausarbeitung des Blaubuchs und des Aktionsplans hat sich das Wirtschaftsklima radikal
verändert. In der Krise bleibt auch die maritime Wirtschaft nicht von Ertragseinrüchen und
Einkommensrückgängen verschont. In diesem Bericht werden deshalb nicht nur die
Fortschritte aufgezählt, sondern auch die künftigen Aktionen umrissen, die erforderlich sind,
um das unleugbare Potenzial unserer Ozeane, Meere und Küstenregionen freizusetzen, aber
auch, um die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, mit denen die maritimen Sektoren zu
kämpfen haben.
2. MEERESPOLITISCHE ENTSCHEIDUNGSFINDUNG UND EINBINDUNG
DER INTERESSENVERTRETER
Im Blaubuch wird auf allen Ebenen der Regierungsführung ein Umdenken gefordert: auf
Ebene der EU-Organe, der Mitgliedstaaten und der Regionen. Die politischen
Entscheidungsträger haben hierauf überwiegend positiv reagiert: Zwei Jahre später gibt es
EU-weit Anzeichen, dass die bisherige Abschottung einzelner meeresbezogener Politiken
immer mehr überwunden, Vertreter maritimer Interessen stärker eingebunden und politische
Synergien herausgearbeitet werden.
2.1. EU-Organe
Die Kommission hat verschiedene Schritte zur Integration ihrer Politikgestaltung im
maritimen Bereich unternommen. 2005 wurde eine Lenkungsgruppe von
Kommissionsmitgliedern eingesetzt, in der seither alle wichtigen, im Aktionsplan des
Blaubuchs vorgeschlagenen meerespolitischen Initiativen erörtert werden. Es wurden
regelmäßige Treffen zwischen den beteiligten Generaldirektionen eingerichtet, um Synergien
herauszuarbeiten und mögliche politische Unvereinbarkeiten zu entschärfen. Die Kommission
hat ihre Dienststellen umorganisiert und den Aufgabenbereich der Generaldirektion Maritime
Angelegenheiten und Fischerei erweitert, damit eine umfassende Koordinierung dieser Politik
DE 3 DE
sichergestellt ist, sektorübergreifende Instrumente gezielt entwickelt werden und regionalen
Besonderheiten Rechnung getragen wird.
Der Rat hat die IMP von Anfang an ausdrücklich unterstützt. Er hat den übergreifenden
Charakter der IMP nicht nur dadurch anerkannt, dass er diese Frage auf der Ratstagung
Allgemeine Angelegenheiten und Außenbeziehungen erörterte, sondern er bekräftigte in seinen
Schlussfolgerungen vom 8. Dezember 20083 auch, dass „ein integriertes Konzept für maritime
Fragen ein zentrales Ziel darstellt, denn es gilt, die Synergien, die Kohärenz und den
Mehrwert der Maßnahmen, die von der Europäischen Union für einzelne Sektoren ergriffen
werden, dadurch zu steigern, dass diese Maßnahmen in eine globale Vision für die Meere und
Ozeane und ihre Küsten einbezogen werden, wobei die regionalen Besonderheiten [...] zu
beachten sind.“
Die aktive Unterstützung durch Rat und Mitgliedstaaten ist sowohl im Rat Allgemeine
Angelegenheiten als auch in den IMP-Kontaktgruppen der Mitgliedstaaten sichergestellt.
Diese Gruppen gewährleisten, dass die einzelstaatlichen Verwaltungen ihr Know-how
umfassend einbringen können, den besonderen Erfordernissen der Mitgliedstaaten und
Küstenregionen ausdrücklich Rechnung getragen wird und politische Einigungen auf der
Grundlage größtmöglicher Transparenz und Wirksamkeit erzielt werden.
Auch das Europäische Parlament unterstützt die Meerespolitik und hat dieses Thema
wiederholt erörtert und das Konzept befürwortet4. Allerdings werden meerespolitische Fragen
immer noch in zahlreichen unterschiedlichen Ausschüssen und Strukturen behandelt.
Der Ausschuss der Regionen hat positive Anregungen zur IMP gegeben. Mit besonderem
Interesse hat die Kommission seine Stellungnahme zum Blaubuch5 zur Kenntnis genommen,
die wichtige Empfehlungen für das weitere Vorgehen enthält. Die jüngste Stellungnahme
„Meeres- und Küstenmaßnahmenpaket“6 ist ein geeignetes Beispiel, wie unterschiedliche
Interessen miteinander verbunden werden können, unter Nutzung des Synergiepotenzials und
Möglichkeiten gegenseitiger Ergänzung.
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss gab am 14. April 2008 eine äußerst
befürwortende Stellungnahme zur IMP ab7.
2.2.
Lesen Sie weiter im PDF