forschungsschiff_klasse_751.pdf Das besondere Schiff
Forschungsschiff Klasse 751 lichen Einrumpfschiffen ist der Stapellauf
mehr oder weniger ein Routinevorgang, aber
für einen Katamaran von der Größe der PLA-
PLANET NET gab es noch keine Erfahrungswerte. Um-
fangreiche zusätzliche Berechnungen und
technische Überlegungen waren bereits bei
SWATH-Technologie in neuer der Kiellegung des Schiffes erforderlich. Die
Emder Schiffbauer lösten das Problem mit ei-
Größenordnung ner Hilfskonstruktion. Auf einem mächtigen
Stahlponton, der zur gleichmäßigen Kraftver-
teilung zwischen den beiden Seitenrümpfen
Hans Karr wenn auf herkömmlichen Schiffen infolge montiert war und nach dem Stapellauf im
Seegangseinwirkung der Forschungsbetrieb Trockendock wieder entfernt wurde, glitt das
A
m 12. August wurde bei den Nordsee- bereits massiv behindert wird. Querstrahler Schiff auf der Schlittenbahn der Helling in sein
werke GmbH in Emden das neue For- im vorderen und achteren Bereich der Element. Die beiden Schwimmkörper schweb-
schungsschiff Klasse 751 (FS 751) auf den Schwimmkörper erlauben eine hohe Beweg- ten dabei frei über der Helling.
Namen PLANET getauft und anschließend vom lichkeit.
Stapel gelassen. Taufpatin war Erika Weise, Gat- Mit der Konstruk-
tin des Abteilungsleiters Rüstung, Ministerialdi- tion und dem Bau
rektor (BMVg) Dr. Hans-Heinrich Weise. des Forschungsschif-
Der Bauvertrag für das neue Forschungs- fes P LANET hat die
schiff wurde am 7. Dezember 2000 im Bun- Werft eine besonde-
desamt für Wehrtechnik und Beschaffung re technische Her-
(BWB) in Koblenz unterzeichnet, der Auf- ausforderung ange-
tragswert beläuft sich auf ca. 90 Mio. Euro. nommen. Noch nie
Nach der Detailkonstruktion erfolgte am zuvor wurde in
26. April 2002 das Brennen des ersten Schiff- Deutschland ein Schiff
bauteils und am 20. Februar 2003 wurde die dieser Größe als
Kiellegung auf der Helling durchgeführt. Nach SWATH gebaut. Die
einer etwa zweijährigen Bauphase wird das Erfüllung der schiff-
Schiff nach der Erprobung im Juni 2004 an baulichen und der
die Nutzer übergeben. Die PLANET wird so- akustischen Anfor-
wohl von der Forschungsanstalt der Bundes- derungen, wie z. Bsp.
wehr für Wasserschall und Geophysik (FWG) Gewicht und Ge-
in Kiel als auch von der Wehrtechnischen räuschemission, er-
Dienstelle für Schiffe und Marinewaffen forderten beträchtli-
(WTD 71) in Eckernförde als Plattform für For- che Anstrengungen
schungen und Erprobungen genutzt werden. und Know-how. Hier
Darüber hinaus ist vorgesehen, verfügbare konnte die Werft die
Einsatzzeit an weitere Nutzer zu verchartern. speziellen Erfahrun-
gen aus dem U-
Schiffscharakteristik und Boot-Bau erfolgreich
technische Daten nutzen. So wurden
alle Geräuscherzeu-
Mit einer Länge von 73 m, einer Unterwas- ger wie Diesel, Ge-
serschiffsbreite von 27,20 m und einem Tief- neratoren und alle Heck-Ansicht auf der Helling, deutlich ist der Panton zu erkennen
(Foto: Michael Nitz)
gang von 6,80 m verdrängt die PLANET 3.500 t. Hilfsaggregate hoch
Die Form des Rumpfes ist in SWATH-Techno- über der Wasserlinie auf dem Hauptdeck plat- Der dieselelektrische Antrieb der PLANET ist
logie (Small Waterplane Area Twin Hull) kon- ziert und dort doppelelastisch gelagert. In den nicht nur besonders wirtschaftlich, sondern
zipiert. Die Plattform steht auf zwei Stützen, Schwimmkörpern unter der Wasserlinie trei- steigert auch die Manövrierfähigkeit und redu-
die unter Wasser in Schwimmkörpern enden. ben extrem leise Elektromotoren die beiden ziert vor allem die Geräuschabstrahlung ins
Durch diese Anordnung wird das Schiff vom Propeller an. Die akustische Signatur wird so Wasser. Die hauptsächlichen Geräuscherzeuger
Seegang entkoppelt und entwickelt so ein drastisch reduziert und erfüllt damit die ho- stehen oberhalb der Wasserlinie auf dem
sehr gutes Verhalten im Seegang. Die beiden hen Forderungen des Auftraggebers. Die Hauptdeck, nur die elektrischen Antriebsmoto-
Schwimmkörper verjüngen sich kontinuier- Ideen des vollelektrischen Schiffes wurden für ren befinden sich in den Schwimmkörpern. Da-
lich zum Bug und Heck hin und besitzen zur die Deutsche Marine erstmals umgesetzt. durch ist das Schiff so leise wie ein modernes
weiteren Verbesserung des Seegangsverhal- Mit der PLANET wurde auch zum ersten Mal U-Boot bei Schleichfahrt. Die Bauwerft konnte
tens zusätzlich im vorderen Bereich bewegli- ein SWATH-Schiff dieser Größe traditionell hier ihr umfassendes technisches Know-how
che Stabilisierungsflossen. Außerdem kann vom Stapel gelassen und nicht durch Fluten im U-Boot-Bau nutzen. Es erfüllt die besonders
der Trimm mit rechnergesteuerter Aufnahme des Baudocks oder durch einen Stapelhub, hohen akustischen Anforderungen an ein For-
von Wasserballast ausgeglichen werden. Da- wie bei der etwa gleich großen amerikani- schungsschiff. Die beiden kavitationsfreien Pro-
durch liegt das SWATH-Schiff auch bei stär- schen T-AGOS-Serie zu Wasser gebracht. peller werden jeweils durch zwei geräuscharme
kerem Seegang sehr viel ruhiger im Wasser als Beim Stapellauf erfährt das Schiff bekanntlich Elektromotoren in der zukunftsweisenden PM-
ein konventionelles Einrumpfschiff. For- die größte Beanspruchung seiner Längsver- Technik (Permanent Magnet erregte Maschi-
schungsaufgaben können auch noch mit bände, wie sie später auch beim stärksten nen) direkt angetrieben. Sie verfügen insgesamt
empfindlichem Gerät bearbeitet werden, Seegang nicht mehr auftreten. Bei herkömm- über eine Leistung von 4.160 kW und verleihen
MARINEFORUM 10-2003
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Das besondere Schiff
dem Schiff eine maximale Geschwindigkeit von Dem Schutz der Meeresumwelt dient ein gebaut und am 15. April 1967 für das BWB in
15 kn. Bei dieser Technik ersetzen permanente modernes Bordentsorgungskonzept. So kön- Dienst gestellt. Bestimmt war das Schiff für For-
Magnete die Spulen der Feldwicklung, was ne- nen hausmüllähnliche Abfälle über mindes- schungsaufgaben verschiedenster Disziplinen
ben einer Verringerung des Geräuschpegels zu tens 30 Tage gelagert und dann im Hafen ent- der Meteorologie, Meeresgeologie, Meeresbio-
einem besseren Wirkungsgrad und kleinerem sorgt werden. Das Abwasser wird in einer logie, Meereschemie und Geophysik. In über 36
Bauvolumen führt. Aufbereitungsanlage behandelt, und für mi- Jahren ihres Einsatzes hat die PLANET mehr als
Vier Diesel-Generatorsätze erzeugen zu- neralölhaltige Schiffsabwässer steht eine Ent- 5.000 Tage in See gestanden und eine Strecke
sammen 5.900 kW elektrische Leistung. Die im ölungsanlage zur Verfügung. von 550.000 Seemeilen zurückgelegt. Ihre
U-Boot-Einsatz erprobten MTU-Dieselmoto- Haupteinsatzgebiete lagen in der Nord- und
ren der Baureihe 396 zeichnen sich durch nie- Ostsee sowie dem Nordmeer. Aber auch län-
drige Emissionswerte aus. Die Bordnetzver- gere Reisen in entfernte Seegebiete wie zum
sorgung wird über rotierende Umformer Beispiel den Azoren, Brasilien, Madeira, Mittel-
sichergestellt. Die Kombination der PM-Tech- meer und in den Golf von Mexiko wurden
nik zur Energieerzeugung und Umsetzung mit durchgeführt.
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