Für den deutschen Schiffbau beginnt sich
der Horizont immer rascher zu verdunkeln.
Darüber können auch die weitgehend
positiven statistischen Zahlen für das vergangene
Jahr nicht hinwegtäuschen, die der
Verband für Schiffbau und Meerestechnik
(VSM) anlässlich seiner diesjährigen Mitgliederversammlung
im Mai in Hamburg
bekannt gab. Danach stieg der Branchenumsatz
aller Schiffbaubetriebe, einschließlich
des See-, Binnen- und Marineschiffbaus,
des Reparatur- und Umbausektors
sowie des Boot- und Jachtbaus 2008 gegenüber
dem Vorjahr um 41 Prozent auf
7,2 Mrd. Euro. Auch die Schiffbauzulieferindustrie
meldete nochmals eine signifikante
Umsatzsteigerung auf nunmehr ca.
13 Mrd. Euro.
So zeigt sich zwar vordergründig ein sehr
freundliches Bild, das aber leider längst nicht
mehr der aktuellen Situation entspricht,
denn die Weltwirtschaftskrise hat sehr rasch
und sehr hart auch auf die deutsche Schiffbauindustrie
durchgeschlagen und deren Situation
radikal verändert. Seit dem Beginn
der Finanzkrise sind nämlich nicht nur das
weltweite Transportaufkommen und die
Charterraten eingebrochen, sondern gleichermaßen
die weltweite Nachfrage nach
Schiffen. Sie ist nach VSM-Angaben zwischen
Oktober 2008 und März 2009 um
90 Prozent gesunken und eine Besserung ist
in der überschaubaren Zukunft realistisch
kaum zu erwarten. Zusätzlich wird die Lage
durch die restriktive Geschäftspolitik der
Banken verschärft, die sich sehr schwer tun,
die für neue Schiffbauaufträge notwendigen
finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.
2008 haben die deutschen Seeschiffswerften
insgesamt 84 Schiffe mit rund 1,3 Mio.
CGT im Wert von knapp 4,4 Mrd. Euro abgeliefert.
Sie haben damit das beste Jahresergebnis
seit der Wiedervereinigung vorgelegt.
Im gleichen Zeitraum erhielten sie neue
Aufträge für 46 Schiffe mit 0,6 Mio.CGT im
Wert von 2,9 Mrd. Euro. Damit sanken die
Neubauaufträge ‑ auf das ganze Jahr bezogen
‑ auf das niedrigste Niveau seit 2001.
Sie entsprechen nur noch rund der Hälfte
einer Jahresproduktion.Wegen dieser rückläufigen
Auftragsentwicklung und zahlreicher
Stornierungen ging der Auftragsbestand
bis zum 31. Dezember 2008 auf 172
Einheiten mit 3,1 Mio. CGT im Wert von
13,3 Mrd. Euro zurück. Im ersten Quartal
des laufenden Jahres mussten weitere 19
Stornierungen im Wert von ca. 940 Mio.
Euro hingenommen werden. Abgeliefert
wurden in diesem Zeitraum 16 Einheiten
mit 275.000 CGT im Wert von 900 Mio.
Euro. Damit ging der Auftragsbestand per
Ende März weiter auf 139 Einheiten mit
2,5 Mio. CGT im Wert von11,5 Mrd. Euro
zurück. Danach konnten bis Ende Mai lediglich
von der Sietas Werft eine kleine Inselfähre
sowie als erster größerer Auftrag
von der Hegemann-Gruppe drei Flusskreuzfahrtschiffe
plus drei Optionen für die
Volkswerft gebucht werden. Zwar seien einige
Werften noch bis 2013 ausgelastet, aber
der genannte Auftragsbestand verteile sich
auf nur wenige Werften, sodass einige Betriebe
über kurz oder lang in ein schweres
Fahrwasser gelangen könnten, hieß es dazu.
»Viele werden bald keine Vollauslastung
mehr fahren können.Kurzarbeit und möglicherweise
auch Arbeitsplatzabbau werden
die Folgen sein«, befürchtete VSM-Vorsitzer
Werker Lüken.
Quelle: MarineForum 7/8-2009
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