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Ernste Lage für den deutschen Schiffbau ‑ Schlüsselindustrie in Gefahr

Hans Jürgen Witthöft
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Für den deutschen Schiffbau beginnt sich der Horizont immer rascher zu verdunkeln. Darüber können auch die weitgehend positiven statistischen Zahlen für das vergangene Jahr nicht hinwegtäuschen, die der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) anlässlich seiner diesjährigen Mitgliederversammlung im Mai in Hamburg bekannt gab. Danach stieg der Branchenumsatz aller Schiffbaubetriebe, einschließlich des See-, Binnen- und Marineschiffbaus, des Reparatur- und Umbausektors sowie des Boot- und Jachtbaus 2008 gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro. Auch die Schiffbauzulieferindustrie meldete nochmals eine signifikante Umsatzsteigerung auf nunmehr ca. 13 Mrd. Euro.

So zeigt sich zwar vordergründig ein sehr freundliches Bild, das aber leider längst nicht mehr der aktuellen Situation entspricht, denn die Weltwirtschaftskrise hat sehr rasch und sehr hart auch auf die deutsche Schiffbauindustrie durchgeschlagen und deren Situation radikal verändert. Seit dem Beginn der Finanzkrise sind nämlich nicht nur das weltweite Transportaufkommen und die Charterraten eingebrochen, sondern gleichermaßen die weltweite Nachfrage nach Schiffen. Sie ist nach VSM-Angaben zwischen Oktober 2008 und März 2009 um 90 Prozent gesunken und eine Besserung ist in der überschaubaren Zukunft realistisch kaum zu erwarten. Zusätzlich wird die Lage durch die restriktive Geschäftspolitik der Banken verschärft, die sich sehr schwer tun, die für neue Schiffbauaufträge notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.
2008 haben die deutschen Seeschiffswerften insgesamt 84 Schiffe mit rund 1,3 Mio. CGT im Wert von knapp 4,4 Mrd. Euro abgeliefert. Sie haben damit das beste Jahresergebnis seit der Wiedervereinigung vorgelegt. Im gleichen Zeitraum erhielten sie neue Aufträge für 46 Schiffe mit 0,6 Mio.CGT im Wert von 2,9 Mrd. Euro. Damit sanken die Neubauaufträge ‑ auf das ganze Jahr bezogen ‑ auf das niedrigste Niveau seit 2001. Sie entsprechen nur noch rund der Hälfte einer Jahresproduktion.Wegen dieser rückläufigen Auftragsentwicklung und zahlreicher Stornierungen ging der Auftragsbestand bis zum 31. Dezember 2008 auf 172 Einheiten mit 3,1 Mio. CGT im Wert von 13,3 Mrd. Euro zurück. Im ersten Quartal des laufenden Jahres mussten weitere 19 Stornierungen im Wert von ca. 940 Mio. Euro hingenommen werden. Abgeliefert wurden in diesem Zeitraum 16 Einheiten mit 275.000 CGT im Wert von 900 Mio. Euro. Damit ging der Auftragsbestand per Ende März weiter auf 139 Einheiten mit 2,5 Mio. CGT im Wert von11,5 Mrd. Euro zurück. Danach konnten bis Ende Mai lediglich von der Sietas Werft eine kleine Inselfähre sowie als erster größerer Auftrag von der Hegemann-Gruppe drei Flusskreuzfahrtschiffe plus drei Optionen für die Volkswerft gebucht werden. Zwar seien einige Werften noch bis 2013 ausgelastet, aber der genannte Auftragsbestand verteile sich auf nur wenige Werften, sodass einige Betriebe über kurz oder lang in ein schweres Fahrwasser gelangen könnten, hieß es dazu. »Viele werden bald keine Vollauslastung mehr fahren können.Kurzarbeit und möglicherweise auch Arbeitsplatzabbau werden die Folgen sein«, befürchtete VSM-Vorsitzer Werker Lüken.



Quelle: MarineForum 7/8-2009
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Autor
  • Hans Jürgen Witthöft
    Hans Jürgen Witthöft

    Hans Jürgen Witthöft ist Fachjournalist mit langjähriger Erfahrung im Bereich Schifffahrt und Marine. Neben Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften hat er zahlreiche Bücher zu maritimen Themen veröffentlicht und betreut seit vielen Jahren als Herausgeber Köhlers Flottenkalender.

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