Zur nuklearen Abschreckungsstrategie
gehört die sogenannte »Triade«.Ein Mix
aus erstens stark geschützten, versteckten
und/oder mobilen landgestützten Interkontinentalraketen
(ICBM),zweitens von Langstreckenflugzeugen
abzufeuernden Marschflugkörpern
sowie drittens von U-Booten zu
startenden Raketen (SLBM ‑ Sea-launched
Ballistic Missile) soll einem Gegner von vornherein
die Chance auf einen entwaffnenden
Erstschlag nehmen und mit der Gewissheit
eines nicht kalkulierbaren Gegenschlages
(Zweitschlag) konfrontieren.
Vor allem getaucht patrouillierende, nuklear
getriebene strategische U-Boote (SSBN)
sind ganz sicher nicht in einem Erstschlag
auszuschalten.Sie bilden denn auch bei allen
Atommächten (Ausnahme ‑ noch ‑ Israel)
das Rückgrat nuklearer Abschreckung. Es
kann daher kaum verwundern, dass Russland
und die USA bei ihren bilateralen Strategic
Arms Reduction Talks (START) und
Folgevereinbarungen nicht nur Obergrenzen
für die Anzahl nuklearer Gefechtsköpfe
(GK) definiert, sondern dabei zugleich auch
die U-Boot-Komponente ihrer »Triade« gestärkt
haben.
Während in den Zeiten des Kalten Krieges
landgestützte ICBM teils mehr als zehn
GK trugen, mit denen jede einzelne Rakete
eine Vielzahl von Zielen ins Visier nehmen
konnte,wurde mit START vereinbart,Mehrfach-
GK nur noch auf SLBM zu erlauben.
Dies erleichterte eine Verifizierung der Einhaltung
der vereinbarten Obergrenzen. Die
Anzahl gebauter U-Boote lässt sich ebenso
wenig verschleiern,wie die Anzahl der Startschächte
auf diesen. Aus den ebenfalls bekannten
FK-Typen lässt sich so jederzeit die
maximale Anzahl sofort einsetzbarer GK berechnen
‑ unmöglich bei z.B. versteckt in
den Wäldern des Ural positionierten ICBM.
Natürlich sind die Nuklearmächte laufend
bemüht, ihre SLBM und deren Träger
(SSBN) zyklisch zu erneuern und dem technologischen
Stand anzupassen. Bei Russland
und den USA spielt dabei der Erhalt
von Parität eine bedeutende politische Rolle.
Selbst wenn Tausende GK zum mehrfachen
»overkill« ausreichen,will man doch hinter
dem Rivalen nicht zurückstehen.
In den USA sind die SSBN der OHIO-Klasse
heute zwischen 12 und 25 Jahre alt, sollen
aber jeweils etwa 45 Jahre in Dienst gehalten
und erst ab 2025 durch neue Boote
ersetzt werden. Die Modernisierung konzentriert
sich bis dahin auf die Umrüstung
aller Boote auf eine neue Variante der bewährten
SLBM Trident II D5. Für die russische
Marine ist die Lage komplexer. Sie
stützt sich nicht nur auf eine einzige, sondern
mehrere Klassen von SSBN ab, die zum
einen schon jetzt das Ende ihrer Dienstzeit
erreichen bzw. erreicht haben, und die auch
jeweils unterschiedliche SLBM tragen. Um
einen einheitlichen Standard hat man sich
in den russischen Designbüros ganz offenbar
nur wenig gekümmert.
Quelle: MARINEFORUM 1/2-2010
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